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Landtag Nordrhein-Westfalen: Drei Tage IT-Stillstand durch technischen Defekt

Landtag Nordrhein-Westfalen: Drei Tage IT-Stillstand durch technischen Defekt

Kein Cyberangriff. Trotzdem drei Tage digitaler Stillstand. Ein defektes Bauteil legte das Netzwerk des NRW-Landtags tagelang lahm.

Seit Sonntagabend war das IT-Netzwerk des nordrhein-westfälischen Landtags weitgehend ausgefallen: keine E-Mails, keine internen Dateien, keine erreichbare Internetseite, in Dependancen funktionierten zeitweise nicht einmal die Zugangschips. Am Mittwochnachmittag meldet die Landtagsverwaltung die vollständige Wiederherstellung. Die Ursache liegt nach offizieller Darstellung in der zentralen Speichertechnik – einen Cyber-Angriff schließt das Parlament aus.

Ein Speicherproblem legt die digitale Verwundbarkeit des Landtags offen


Am Sonntagabend gingen im Düsseldorfer Landtag die ersten Störungsmeldungen ein 2. Was zunächst nach einem gewöhnlichen Netzwerkproblem aussah, lähmte den parlamentarischen Betrieb am Montag nahezu vollständig: Weder an den Rechnern in den Büros noch aus dem Homeoffice ließen sich die Systeme nutzen, E-Mails gingen weder ein noch aus, Intranet, interne Laufwerke, Dateien und Drucksachen waren unerreichbar, auch die Internetseite des Parlaments antwortete nicht 1 3.


Zum betroffenen Netz gehören nach Angaben aus dem Landtag rund 2000 angeschlossene Rechner und Endgeräte aus dem Politikbetrieb, der Landtagsverwaltung und der Landeszentrale für politische Bildung 3. Die Störung reichte bis in die Gebäudetechnik: In Dependancen des Landtags standen Beschäftigte vor verschlossenen Bürotüren, weil ihre Zugangschips für die elektronische Schließanlage nicht mehr funktionierten; nach Angaben aus dem Haus half der Sicherheitsdienst aus 3.


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Intern war angekündigt worden, die vollständige Arbeitsfähigkeit bis Dienstagmorgen wiederherzustellen. Dieser Termin wurde verfehlt 1. Erst am Dienstagabend funktionierten E-Mails, interne Laufwerke und elektronische Akten wieder 2 3. Am Mittwochnachmittag, kurz nach 16 Uhr, war auch die Internetseite des Landtags erreichbar. „Der Landtag ist wieder voll funktionsfähig“, sagte Landtagssprecher Stephan Malessa dem WDR 2. Ein neuer Termin für die Rückkehr zum Normalbetrieb war während der Störung nicht genannt worden – die Wiederherstellung dauerte damit knapp drei Tage.


Ein Softwarefehler in den zentralen Speichern


Am Mittwoch informierte Landtagspräsident André Kuper (CDU) die Abgeordneten. „Ursache der Störung war ein Fehler in der Software der zentralen Speicher“, schrieb Kuper. „Ein Cyberangriff oder eine externe Sicherheitsbedrohung können definitiv ausgeschlossen werden.“ 3


Die Darstellungen unterscheiden sich im Detail. Die Deutsche Presse-Agentur hatte am Dienstag von einem technischen Defekt an einem zentralen Server berichtet und erklärt, die Daten im zentralen Netzwerkspeicher seien sicher 1. Nach WDR-Informationen hatte es einen Serverwechsel gegeben, der den Defekt zur Folge hatte. Ein Bauteil des neuen Servers sei defekt gewesen, der Hersteller habe das Problem nach Angaben von Sprecher Malessa zunächst nicht beheben können, sodass sämtliche Daten auf einen Backup-Server geladen werden mussten 2.


Ob ein Hardwaredefekt, ein Softwarefehler oder das Zusammenspiel beider den Ausfall auslöste, ist damit noch nicht abschließend geklärt. Kuper kündigte eine „detaillierte Erforschung der genauen Schadensursache“ an 3.


Warum ein Angriff ausgeschlossen wird


Der Ausschluss eines Cyber-Angriffs stützt sich auf mehrere Befunde: die Fehleranalyse der eigenen IT, an der nach Angaben des Landtags auch der Hersteller der betroffenen Software und externe Fachfirmen beteiligt waren 3, den Umstand, dass die Daten im zentralen Speicher unversehrt blieben 1, sowie die Bewertung des NRW-Innenministeriums. Dort lagen keine Hinweise auf einen Angriff vor 2.


Hinzu kommt der technische Verlauf. Die hauseigenen Experten begannen am Montagmorgen um 6 Uhr mit der Fehlersuche; nachdem die Probleme auch in der Nacht zu Dienstag nicht behoben werden konnten, wurden die Systeme schrittweise auf einem Backup-Server hochgefahren 3. Der Ablauf deutet auf eine Havarie in der Speicher- und Servertechnik, nicht auf eine Kompromittierung mit verschlüsselten Daten oder übernommenen Konten. Wie belastbar die Einschätzung ist, hängt allerdings an der noch laufenden Ursachenanalyse; eine unabhängige Untersuchung von außen hat der Landtag bislang nicht angekündigt.


Für Verwirrung sorgte der Zeitpunkt. Das Land Nordrhein-Westfalen hatte in der Vorwoche mehrere potenziell gefährdete Seiten der Landesverwaltung vorsorglich vom Netz genommen, nachdem das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik vor der schwerwiegenden Schwachstelle „PHP-Shell“ gewarnt hatte; mehrere Bundesländer, Kommunen und Hochschulen taten dasselbe 2. Ein Zusammenhang mit dieser Sicherheitslücke besteht nach Angaben des Landtagssprechers nicht 2.


Zwei Tage ohne Postfach


Am deutlichsten wurde der Ausfall für die Fraktionen erst danach. „Am Montag lief im Landtag praktisch nur noch die Kantine“, sagte Marcel Hafke, parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Landtagsfraktion. „Um es klar zu sagen: Ein Verfassungsorgan war rund zwei Tage lang in wesentlichen Bereichen faktisch lahmgelegt.“ 3 Noch unklar ist, was in den 48 Stunden ohne Mailzustellung verloren ging: „Weil rund 48 Stunden lang keine E-Mails zugestellt wurden, ist bis jetzt unklar, welche Mitteilungen, Dokumente oder fristgebundenen Vorgänge das Parlament womöglich überhaupt nicht erreicht haben“, sagte Hafke 3. Die CDU-Fraktion riet Bürgerinnen und Bürgern, Nachrichten an Abgeordnete sicherheitshalber erneut zu senden 3.


Die AfD-Fraktion berichtete, sie habe anfangs einen Hackerangriff in Betracht gezogen und sei alarmiert gewesen, als aus den lahmgelegten Abgeordneten-Postfächern offenbar Nachrichten versendet wurden – tatsächlich handelte es sich um automatische Systemmeldungen 3. Sie kritisierte die Kommunikation der Landtagsverwaltung als „optimierungsfähig“ 3. Bei allem Ernst der Lage blieb Platz für Spott: Die SPD wies darauf hin, dass das Gäste-WLAN im Haus einwandfrei funktioniert habe 3.


Abgemildert wurde der Ausfall dadurch, dass in NRW Herbstferien waren und der Betrieb im Landtag ohnehin weitgehend ruht 2. In einer Sitzungswoche wäre der Schaden größer gewesen: Plenar- und Ausschusstermine, die Zustellung von Drucksachen und die Abstimmung zwischen Fraktionen und Verwaltung hängen an denselben Systemen.


Forderung nach Redundanz und eine offene Rechnung


Die Grünen zogen eine technische Konsequenz: „Die Systeme müssen so gestaltet sein, dass bei einem Ausfall eines Servers ein anderer direkt einsatzfähig ist und die Arbeit direkt übernehmen kann“, erklärten sie. „Die Handlungsfähigkeit des Parlaments muss sichergestellt sein.“ 3 Kuper kündigte an, zeitnah mit den Fraktionen über Konsequenzen zu sprechen; dabei müssten „technische Schutzmaßnahmen ebenso in den Blick genommen werden wie ein optimiertes Konzept zur Information“ 3. Mit externer Unterstützung soll zudem geprüft werden, wie sich solche Ausfälle künftig vermeiden lassen 2.


Offen bleibt, wann der Landtag über die Ergebnisse dieser Prüfung informiert und ob die Verwaltung auf einen technisch redundanten Betrieb umstellt. Offen ist auch die Frage, die Hafke aufgeworfen hat: Welche fristgebundenen Vorgänge in den zwei Tagen ohne Postfach tatsächlich nicht angekommen sind. Bis zur Klärung empfiehlt es sich für Verbände, Kommunen und Bürger, wichtige Anliegen an den Landtag erneut zu übermitteln – die CDU-Fraktion hat genau das nahegelegt 3.

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