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Nicht ausgefallen, hochgedreht: Das Pentagon prüft einen Hackerangriff auf seine Basen

Nicht ausgefallen, hochgedreht: Das Pentagon prüft einen Hackerangriff auf seine Basen

Verdorbenes Fleisch, heiße Truhen: Das Pentagon ermittelt wegen Hackerangriffs.

Ende August sind auf mehreren US-Militärstützpunkten Gefriersysteme ausgefallen, die Lebensmittel verdorben. Das Pentagon behandelt die Vorfälle inzwischen als mutmaßlichen Hackerangriff und lässt einen Zusammenhang mit manipulierten Kühlanlagen in französischen Supermärkten prüfen. Bewiesen ist nichts. Ein technischer Defekt ist nicht ausgeschlossen.

Sechs Läden, eine Nacht


Ende August meldete das US-Armee-Fort Huachuca in Arizona, sämtliche Gefrierschränke des Basisladens seien über Nacht in den Abtaumodus gewechselt und hätten die Ware erhitzt. „Vertrauen Sie uns, wenn wir sagen, dass die Ware verdorben war“, schrieb die Basis und kündigte an, bis auf Weiteres keine Tiefkühlware mehr zu verkaufen 1 2.


In den Tagen danach dasselbe Bild an weiteren Standorten. Nach Angaben der Basen selbst betroffen: Fort Irwin in Kalifornien, die F.E. Warren Air Force Base in Wyoming, Fort Huachuca, die Naval Station Newport in Rhode Island, die Columbus Air Force Base in Mississippi und die Travis Air Force Base in Kalifornien. Hinzu kommt die Naval Air Station Lemoore, deren Ausfall zuerst das Blog Signal and Silence öffentlich machte 3. Angaben, wonach bis zu ein Dutzend Läden betroffen waren, hat das Verteidigungsministerium nie bestätigt 3.


Betroffen waren Standorte aller Teilstreitkräfte in fünf Bundesstaaten, und in allen dokumentierten Fällen Commissaries, die Läden der Defense Commissary Agency, in denen Soldaten und Angehörige einkaufen. DeCA betreibt rund 235 solcher Geschäfte weltweit 3.


Eine Zahl bezügliche des Gesamtschadens gibt es noch nicht. Die Basen sprachen von verdorbener Ware im Wert von „Tausenden Dollar“ je Laden: Fleisch, Molkereiprodukte, Obst, Gemüse, Tiefkühlkost 2. In Fort Huachuca war das Tiefkühlsortiment zeitweise nicht verkäuflich. In Fort Irwin waren die Reparaturen Ende August abgeschlossen, Ersatzware sollte binnen 48 Stunden eintreffen 3. Das Pentagon hat die Verluste nicht beziffert.


Hochgedreht, nicht ausgefallen


Auffällig ist nicht die Zahl der Standorte, sondern die Art des Ausfalls. In mindestens einem Fall hätten die Aggregate nicht einfach den Dienst quittiert. Die Temperaturen seien über Nacht hochgedreht worden, am Morgen lagen Berge welker oder geschmolzener Ware 1. Diese Umkehrung, nicht der bloße Ausfall, nährt den Sabotageverdacht. Zudem erinnert der Vorfall an vergleichbare Erignisse bei uns in Europa, auch hier wurden verschiedene Kühlsysteme in großer Anzahl gestört.


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Vier mit der Sache befasste Beamte sagten laut Reuters, die Ermittler gingen inzwischen von einem mutmaßlichen Hackerangriff aus 1 6. Beteiligt sind das Cyber Field Office der Army Criminal Investigation Division, das Office of Special Investigations der Luftwaffe und die Defense Criminal Investigative Agency, die die Federführung hat 3. Später kam eine Einheit des US Cyber Command hinzu. Das Pentagon erklärte, diese arbeite „in enger Abstimmung mit behördenübergreifenden und Strafverfolgungspartnern“ 1. Die Army-Ermittler bestätigten die Zusammenarbeit mit französischen Behörden, um „die Kälteausfälle in Europa“ besser zu verstehen 1 4.


Wie weit die Untersuchung ist und ob sie eine Ursache oder Verantwortliche hat, konnte Reuters nicht klären 1. Das Ministerium hat nicht bestätigt, dass sich jemand Zugang zu den Systemen verschafft hat, und nicht gesagt, was die Ausfälle auslöste 7. Ein Defekt, ein fehlerhaftes Firmware-Update, ein Steuerungsfehler: alles weiter möglich.


Die öffentliche Debatte lief der Bestätigung voraus. Die Häufung und die Möglichkeit einer Sabotage hatte am 28. August zuerst Signal and Silence thematisiert. Militärermittler meldete danach Stars and Stripes, die Kontakte nach Frankreich der Daily Telegraph. Dass die Ermittler von einem Angriff ausgehen, berichtete Reuters am Donnerstag erstmals 1.


In Frankreich stieg die Temperatur auf 50 Grad


Mitte Oktober manipulierten Angreifer in Frankreich die Temperatursteuerung von Kälteanlagen in Supermärkten. Zunächst war von mehr als 150 Filialen von Intermarché, E.Leclerc und Coopérative U die Rede 5, später von mehr als 350 1. in Großbritannien ein ähnliches Muster. Die Anlagen wurden nicht abgeschaltet, sondern in einen dauerhaften Abtauzyklus gezwungen. In manchen Filialen stiegen die Temperaturen auf bis zu 50 Grad, einzelne Geräte gerieten sogar in Brand 1 5. Zwei Häuser in Haguenau bezifferten ihren Warenschaden gemeinsam auf rund 270.000 Euro, ein Betreiber schätzte die landesweite Summe auf einen zweistelligen Millionenbetrag 1 5.


Die französische Cybersicherheitsbehörde ANSSI und die Polizei ermitteln. Danfoss, dessen Steuerungen in vielen betroffenen Anlagen steckten, sprach von Vorfällen bei „einer begrenzten Zahl von Kältemanagementsystemen“. Die Geräte hätten veraltete Firmware betrieben. Kunden würde seit Langem zu Updates und zum Austausch von Altgeräten geraten 5.


Ob in den US-Basisläden Danfoss-Technik lief, konnte Reuters nicht klären. Danfoss antwortete nicht 1. Für mindestens einen Laden, die Naval Air Facility El Centro in Kalifornien, listen Unterlagen ein Danfoss-System 7. Claroty hatte im August Schwachstellen in Reglern von Danfoss und Copeland dokumentiert, darunter einen versteckten Zugang, der die vollständige Kontrolle über eine Anlage eröffnen konnte. Danfoss hat nach eigenen Angaben einen Patch bereitgestellt. Dass diese Lücken ausgenutzt wurden, ist damit nicht belegt 7.


Der Regler ist online und damit von außen angreifbar


Kälteregler waren einmal Geräte für den Techniker vor Ort. Inzwischen hängen sie am Netz. „Das kann die Lebensmittelversorgungskette definitiv stören“, sagte Bill Moore, Chef der auf Industrieanlagen spezialisierten Sicherheitsfirma Xona Systems 1.


Die Lage ist nicht neu. 2022 berichtete Danfoss von Angriffen auf Supermärkte in Russland und Israel über veraltete Steuerungen. Im Dezember vergangenen Jahres klagte die Bundesanwaltschaft in Los Angeles eine Ukrainerin an, die zu einer Gruppe gehören soll, welche 2024 die Kühlung eines Fleischbetriebs lahmlegte und mehr als 900 Kilogramm Fleisch verdarb 1. Die Global Food Safety Initiative hatte in diesem Jahr Lebensmittel- und IT-Verantwortliche aufgerufen, gemeinsam für die Kältetechnik zu sorgen: „Ein gehacktes Kühlsystem ist genauso gefährlich wie ein defektes“ 1.


Täter unbekannt, das Muster nicht


DeCA teilte Ende August mit, man habe „geeignete Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, um Produkte in alternative temperaturkontrollierte Standorte zu verbringen, um mögliche Verluste zu mindern“. Die Läden blieben geöffnet 2. Der Zulieferer Aldevra erklärte, seine an Commissaries gelieferten Kühlgeräte seien nicht vernetzt; eine Fernüberwachung lasse sich nachrüsten 2.


Die Ausschreibung der Behörde verlangte allerdings Systeme, die aus der Ferne bedient werden können, mit einer Zentrale auf US-Territorium 2. Was den Betrieb leichter macht, vergrößert die Fläche, über die ein Angriff laufen kann.


Offen ist, ob überhaupt ein Zugriff von außen stattfand, wie viele Läden betroffen waren und ob zwischen den US-Vorfällen und Frankreich mehr besteht als zeitliche Nähe und dasselbe Muster. Die französische Botschaft in Washington antwortete nicht, Danfoss ließ Fragen zu den US-Basen unbeantwortet 1. Welche Steuerung in den betroffenen Läden läuft, hat DeCA nicht gesagt.

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