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G7-Staaten proben Abwehr von KI-Cyberangriffen

G7-Staaten proben Abwehr von KI-Cyberangriffen

Wenn Hacker die Märkte bewegen, müssen Notenbanken vorbereitet sein. Die G7 planen nationale Krisenübungen für KI-gestützte Cyberangriffe.

Die Finanzminister und Notenbankchefs der G7 haben am Rande der IWF-Jahrestagung in Bangkok beschlossen, den Ernstfall zu proben: mit Stabsübungen, in denen KI-gestützte Cyberangriffe auf das Finanzsystem simuliert werden. Ein Termin steht noch nicht fest, und ein einheitliches multinationales Manöver ist es auch nicht – jede nationale Behörde entwirft ihr eigenes Szenario. Der Beschluss folgt auf eine ausdrückliche Warnung des Internationalen Währungsfonds, der einen großen Cyberangriff inzwischen als systemisches Risiko für die Finanzmärkte einstuft.

Ein Beschluss am Rande der IWF-Tagung


Japans Finanzministerin Satsuki Katayama sagte am Donnerstag (15. Oktober) vor Journalisten, die Finanzminister und Notenbankgouverneure der G7 hätten sich auf Stabsübungen („tabletop exercises") zur Abwehr KI-gestützter Cyberangriffe verständigt 1 2. Die Entscheidung fiel am Rande der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Bangkok.


„Die stellvertretenden Finanzminister der G7 hatten die Idee von Stabsübungen zu Frontier-KI diskutiert; auf Ministerebene wurde sie abgesegnet", sagte Katayama nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters 1.


Beteiligt sind die Finanzministerien und Zentralbanken der sieben Mitgliedstaaten – USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Kanada. Die Europäische Union ist in vielen G7-Formaten assoziiert; ein eigenes Mandat für die Übungen wurde bislang nicht berichtet.


Was geplant ist – und was nicht


Für die Einordnung ist ein Punkt wichtig: Von einem gemeinsamen Manöver aller sieben Staaten, wie es der Begriff „joint exercises" nahelegt, kann nur bedingt die Rede sein. Nach Angaben eines japanischen Finanzministeriumsbeamten, der an dem Treffen teilnahm, entwirft jede G7-Finanzbehörde ihre eigenen Simulationen 6. Ob und in welchem Umfang private Banken mitwirken, hängt vom jeweiligen Szenario ab 1 6.


Die Ergebnisse sollen prüfen, ob die bestehenden Notfallprotokolle tragen, und anschließend in überarbeitete Handbücher einfließen 1. Nach Informationen der Financial Times, die sich auf mit der Planung vertraute Personen beruft, dienen die Übungen dazu, die Krisenhandbücher der Regierungen für einen größeren Cybervorfall einem Belastungstest zu unterziehen. Szenarien könnten sowohl KI-beschleunigte Eindringversuche als auch Angriffe auf die KI-Infrastruktur selbst umfassen 6.


Offen ist der Zeitplan. Weder ein Termin noch die Zahl der teilnehmenden Institute wurde bislang genannt 6. Auch zur Frage, ob Ergebnisse veröffentlicht werden, gibt es keine Zusage.


Der Auslöser: eine Warnung des IWF


Der Beschluss ist eine Reaktion auf eine ungewöhnlich deutliche Warnung aus Washington. Der IWF hatte in seinem am 13. Oktober veröffentlichten Blog zum Global Financial Stability Report drei Risiken benannt, die die Finanzbedingungen abrupt verschärfen könnten: eine KI-getriebene Marktkorrektur, deutlich steigende Staatsanleiherenditen – und Cyberangriffe 3 8.


Besonders alarmierend ist die Geschwindigkeit. In mehr als 70 Prozent der in diesem Jahr gemeldeten Fälle hatten Softwareanbieter nach IWF-Angaben kaum Zeit, eine Schwachstelle zu schließen, bevor Angreifer sie ausnutzten 3. Das sind rund 20 Prozentpunkte mehr als 2025 und mehr als doppelt so viel wie 2021, als Anbietern im Schnitt noch fast 300 Tage zur Behebung blieben 3.


„Der Vertrauensverlust könnte für sich genommen ein systemisches Ereignis sein", sagte Caio Ferreira, stellvertretender Leiter der IWF-Abteilung für globale Marktanalyse, der Financial Times 6.


Der niederländische Finanzminister Eelco Heinen brachte die Abhängigkeitslage auf eine Formel: „Wir alle starren auf dieselbe Blackbox" 6. Gemeint ist die Konzentration kritischer Technologie auf wenige Anbieter und Länder – ein Ausfall an einer Stelle kann sich über den gesamten Finanzsektor fortpflanzen.


Wie KI Angriffe beschleunigt


Die britische Finanzaufsicht FCA hat im September in einer Multi-Firm-Review dokumentiert, wie sich die Angriffsökonomie verschiebt. Institute berichteten, dass Frontier-Modelle Schwachstellen schneller finden, als sie validiert und behoben werden können 4. Besonders relevant: Modelle können mehrere einzeln gering bewertete Schwachstellen zu neuen Angriffspfaden verketten („vulnerability chaining") – Verbindungen, die klassische Scans nicht sichtbar machen 4.


Die G7-Cyber-Expertengruppe, die die Finanzminister und Notenbankchefs der Gruppe berät, hatte bereits im September 2025 in einer Erklärung die Angriffsflächen systematisiert: hyperpersonalisierte Phishing-Kampagnen und Deepfakes, automatisierte Exploit-Entwicklung, Malware, die sich in Echtzeit anpasst 5. Zugleich geraten KI-Systeme selbst ins Visier – über Datenvergiftung im Training, Prompt-Injection oder die Extraktion sensibler Daten 5.


Dass dies keine Theorie mehr ist, zeigt ein Fall aus Südkorea: Präsident Lee Jae Myung erklärte am 6. Oktober, es gebe Hinweise darauf, dass KI bei jüngsten Hackerangriffen auf Geschäftsbanken eingesetzt wurde 6. Kundendaten wurden offengelegt, die Polizei ermittelt.


Die G7 ist nicht bei null – aber die Übungen sind unverbindlich


Die Gruppe verfügt über Vorlauf. Im Mai 2026 führte die G7-Cyber-Expertengruppe bereits eine grenzüberschreitende Cyberkrisenübung durch, an der Finanzministerien, Zentralbanken und Marktaufsichten aller sieben Länder beteiligt waren 6. Im selben Monat hatten sich die Minister darauf verständigt, das Cyberrisiko schärfer zu beobachten und konkrete Maßnahmen zu Frontier-Modellen zu erarbeiten 6.


Der Druck kommt auch aus der Notenbankwelt. Der stellvertretende Gouverneur der Bank of England sagte am Donnerstag, Institute könnten nicht länger annehmen, ihre Abwehr sei gegen KI-gestützte Angriffe immun; die Notenbank arbeite mit Banken an Optionen zur Wiederherstellung nach schweren Cybervorfällen 1. Gouverneur Andrew Bailey, zugleich Vorsitzender des Financial Stability Board, hatte den G20-Finanzministern bereits gesagt, die Cyberfolgen von Frontier-KI seien die unmittelbarste Bedrohung für die Finanzstabilität 6.


In den USA ist die Aufräumarbeit längst angelaufen: Nach der Veröffentlichung eines Frontier-Modells mit ausgeprägten Cyber-Fähigkeiten im April haben bei Bank of America nach Angaben des Instituts 1.000 externe Dienstleister und 3.000 eigene Mitarbeiter damit begonnen, gefundene Softwarefehler zu beheben; JPMorgan-Chef Jamie Dimon sprach von einem zehnfach gestiegenen Cyberrisiko 6.


Und dennoch: Stabsübungen sind Diskussionsformate, keine technischen Tests. Sie produzieren Erkenntnisse, keine Verpflichtungen. Verbindliche Aufsichtsanforderungen entstehen daraus nicht automatisch.


Was jetzt zu beobachten ist


Drei Fragen entscheiden, ob aus dem Beschluss mehr wird als ein Kommuniqué. Erstens der Termin: Solange kein Datum steht, bleibt offen, ob die Übungen vor oder nach dem nächsten G7-Gipfel stattfinden. Zweitens die Transparenz: Werden die Ergebnisse veröffentlicht oder nur intern zirkuliert, lässt sich die Wirksamkeit von außen kaum prüfen. Drittens die Reichweite: Ob private Banken tatsächlich teilnehmen, ist bislang eine Frage des Szenarios 1 6.


Für die betroffenen Institute ist die Botschaft unabhängig davon eindeutig. Die FCA formuliert es in ihrer Review als Frage an die Häuser: Sind die Prozesse für Validierung, Patch-Tests und Notfalländerungen einem deutlich höheren Tempo gewachsen 4? Die G7-Übungen werden genau diese Frage in den kommenden Monaten an die Aufsichtsbehörden zurückspiegeln.

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