Der Angriff traf am Abend des 7. Oktober das Hochschulservicezentrum Baden-Württemberg (HSZ-BW) in Reutlingen, einen zentralen IT-Dienstleister für rund 65 Hochschulen, Museen und Kultureinrichtungen im Südwesten. Betroffen ist auch die Hochschule für Polizei Baden-Württemberg. Ob die Täter dabei persönliche Daten von Polizeibeamten und Polizeianwärtern erbeutet haben, ist bislang offen – der Dienstleister geht inzwischen aber davon aus, dass überhaupt Daten abgeflossen sind.
Was ist passiert?
Am Abend des 7. Oktober 2026 bemerkte die IT-Abteilung des Hochschulservicezentrums Baden-Württemberg (HSZ-BW) in Reutlingen einen Angriff auf ihre Systeme 1 4. Der Dienstleister nahm daraufhin nach eigenen Angaben alle Systeme vom Netz, trennte die Internetverbindung und schaltete die Telefonanlage ab 2 5. Vorsorglich wurden auch die Verbindungen zu den angeschlossenen Hochschulen sowie Kunst- und Kultureinrichtungen gekappt 5.
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Noch am selben Abend wurden die Ermittlungsbehörden und die Cybersicherheitsagentur Baden-Württemberg eingeschaltet 4. Die Ermittlungen übernahmen das Polizeipräsidium Reutlingen und die Abteilung Cybercrime der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe 1 4. Seit dem Morgen des 8. Oktober arbeitet ein Krisenstab unter Leitung des HSZ-BW-Leiters Peter Väterlein an der Aufarbeitung des Vorfalls 2 5.
Welche Einrichtungen betroffen sind
Das HSZ-BW betreut nach eigenen Angaben rund 65 Einrichtungen in Baden-Württemberg – Hochschulen für angewandte Wissenschaften, Pädagogische Hochschulen, Kunst- und Musikhochschulen, die Duale Hochschule sowie Kunst- und Kultureinrichtungen 1 4. Es ist eine gemeinsame Einrichtung der Hochschule Reutlingen und der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg 4.
Zu den bestätigt betroffenen Einrichtungen zählt die Hochschule für Polizei Baden-Württemberg mit Sitz in Villingen-Schwenningen. Sie zählt an acht Standorten mehr als 5400 Studierende, Auszubildende und Beschäftigte 1. Ein Sprecher erklärte, die Studierenden seien informiert worden, der Campusbetrieb laufe weiter; welche Systeme beeinträchtigt seien, sei noch nicht vollständig geklärt 1.
Ebenfalls betroffen ist die Hochschule Konstanz (HTWG) mit rund 4500 Studierenden, an der zum Start des Wintersemesters das Campusportal HISinOne und das Vorlesungsplansystem LSF nicht erreichbar sind 1. Ausfälle melden zudem die Hochschule Ravensburg-Weingarten, die Pädagogischen Hochschulen in Weingarten und Freiburg, die Musikhochschule Freiburg sowie die Hochschulen für öffentliche Verwaltung in Kehl und Ludwigsburg 2 5. An der RWU können derzeit keine Immatrikulationsbescheinigungen, Notenspiegel oder Zeugnisse ausgestellt werden; die Prüfungsanmeldung verschiebt sich 5. Die Universität Konstanz und das Archäologische Landesmuseum gehören zu den Kunden des HSZ-BW, sind nach eigenen Angaben aber nicht betroffen 1.
Welche Daten abgeflossen sein könnten
Brisant ist der Vorfall, weil die betroffenen Systeme zentrale Anwendungen für die Studien-, Prüfungs-, Personal- und Finanzverwaltung betreiben 1. Dort liegen persönliche Daten von Studierenden und Beschäftigten – und im Fall der Polizeihochschule auch von Polizeibeamten und Polizeianwärtern.
Das HSZ-BW teilte am Montag mit, nach aktuellem Stand hätten die Angreifer Schadsoftware in das Netzwerk eingeschleust und sich so Zugang zu Daten verschafft 2 5. Am Donnerstag erklärte der Dienstleister, er gehe inzwischen davon aus, dass die Täter auch Daten erbeutet haben 1. Welche Informationen betroffen sind, ist unklar; Art und Umfang würden noch überprüft, sagte Sprecher Veit Mathauer 1.
Ob darunter auch Daten von Polizeibeamten oder Polizeianwärtern sind, ist offen. Das Innenministerium verwies auf die laufenden Ermittlungen, auch das HSZ-BW machte auf erneute Anfrage keine näheren Angaben 1. Der Dienstleister warnt vor möglichem Datenmissbrauch, etwa durch betrügerische Nachrichten, und beobachtet, ob erbeutete Daten im Internet veröffentlicht oder zum Verkauf angeboten werden 1.
Wie die Behörden reagieren
Die Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe geht von einem Ransomware-Angriff aus 2 3. Bei dieser Angriffsform verschlüsseln Täter Daten und stellen die Entschlüsselung erst gegen Zahlung eines Lösegelds in Aussicht. Im aktuellen Fall gibt es laut einem Sprecher der Behörde die Aufforderung, mit der Hackergruppe in Kontakt zu treten – möglicherweise mit der Absicht, Lösegeld zu erpressen 2. Ob darauf eingegangen wird, müssten die Geschädigten selbst entscheiden 2.
Das HSZ-BW will nach Angaben seines Sprechers keinen Kontakt zu den Angreifern aufnehmen: „Das HSZ-BW beabsichtigt nicht, mit den Angreifern Kontakt aufzunehmen“ 1. Wie die Täter in die Systeme eindringen konnten, wird noch untersucht 1. Das Wissenschaftsministerium wollte sich mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht äußern, um diese nicht zu gefährden 4.
Einordnung: Ransomware als Geschäftsmodell
Der Fall reiht sich in eine Serie von Angriffen auf Dienstleister und öffentliche Einrichtungen ein. Nach Angaben des Bundeskriminalamts wurden 2025 in Deutschland 1041 Ransomware-Angriffe angezeigt; die bekannt gewordenen Lösegeldzahlungen summierten sich auf rund 15,5 Millionen US-Dollar 1 2. Die tatsächliche Summe dürfte höher liegen, da nicht alle Fälle und Zahlungen bekannt werden 1.
Lösegeld werde bei den meisten Ransomware-Angriffen in Deutschland nicht gezahlt, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft. „In der Regel werden die Daten dann zurückgegeben, aber darauf kann man sich nicht verlassen“ 2. Für die betroffenen Hochschulen ist der Vorfall zugleich ein strukturelles Problem: Wer zentrale Verwaltungsdienste bündelt, schafft Effizienz – aber auch einen Single Point of Failure. Fällt der Dienstleister aus, trifft es Dutzende Einrichtungen gleichzeitig.
Ausblick
Wie lange die Einschränkungen andauern, ist offen. An der HTWG Konstanz läuft der Hochschulbetrieb zum Semesterstart nur eingeschränkt, an der RWU rechnet man mit einem längeren Ausfall des Campus-Management-Systems 1 5. Entscheidend dürfte in den kommenden Tagen und Wochen die forensische Auswertung sein: Erst sie kann klären, welche Datensätze tatsächlich abgeflossen sind – und ob darunter sensible Informationen von Polizeibeamten sind. Bis dahin bleibt für die Betroffenen vor allem eine Frage unbeantwortet.
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