Millionen Revolut-Kunden konnten am Dienstag stundenlang weder auf ihr Konto zugreifen noch mit Karte zahlen. Ursache war nach Angaben des Unternehmens ein Stromausfall in einem Google-Cloud-Rechenzentrum bei London – ein Vorfall, der auch britische Großbanken und die deutsche Niederlassung der ING-Bank traf. Am Abend liefen die Dienste wieder. Für die mit 121 Milliarden Dollar bewertete Digitalbank ist die Panne mehr als ein Betriebsunfall.
Der Banking-Supergau am heutigen Dienstag
Es begann am Vormittag: Nutzerinnen und Nutzer in Großbritannien, Irland, Frankreich, Spanien, Japan und weiteren Ländern meldeten, dass sie sich nicht in der Revolut-App anmelden konnten, dass Kartenzahlungen abgelehnt wurden und Überweisungen nicht durchgingen 1. Nach Angaben des Unternehmens waren zeitweise der Login, Kartenzahlungen, Bargeldabhebungen am Geldautomaten, Überweisungen, Kartenbestellungen und der Live-Chat gestört; auch der Handel mit Aktien und Kryptowährungen sowie die Geschäftsplattform Revolut Business waren betroffen 5 6.
Revolut reagierte am Vormittag mit einer knappen Mitteilung. "Wir verzeichnen derzeit eine Störung, die mehrere Dienste betrifft. Wir können bestätigen, dass das Geld und die Daten aller Kundinnen und Kunden sicher sind", hieß es darin 1 5. Man arbeite seit dem Morgen an der Behebung und entschuldige sich bei den Betroffenen.
Am Abend folgte die Entwarnung. "Aufgrund einer aktuellen Störung bei Google Cloud konnten Kundinnen und Kunden heute vorübergehend Probleme mit der Revolut-App gehabt haben", teilte das Unternehmen mit. "Die Ursache ist inzwischen behoben, alle Dienste laufen wieder" 1. Wie viele der mehr als 80 Millionen Kunden tatsächlich betroffen waren, blieb offen 1.
Ein Google-Rechenzentrum bei London, Millionen betroffene Konten weltweit
Die Ursache lag nicht bei der Bank, sondern bei ihrem Infrastrukturdienstleister: Google meldete am Dienstag "erhöhte Fehlerraten und zeitweise Netzwerkausfälle in der Region europe-west2" – gemeint ist das Rechenzentrum in London 2. Der Vorfall begann nach Angaben des Konzerns um 06:08 Uhr GMT, also 08:08 Uhr mitteleuropäischer Zeit 2 6. Später benannte Google ein Stromproblem als Auslöser 1 2.
Für die meisten Kunden sei das Problem inzwischen "abgemildert", eine "sehr kleine Zahl" habe aber weiterhin Schwierigkeiten, erklärte Google im Laufe des Tages 1 2. Hinweise auf einen Cyberangriff gab es nach bisherigem Kenntnisstand nicht 6.
Die Panne traf nicht nur Revolut. Die britischen Großbanken Lloyds und HSBC bestätigten Probleme mit App und Online-Banking, auch die Immobilienplattform Rightmove und der Postdienst Royal Mail meldeten Störungen 2. Bei der ING in Deutschland fielen zeitgleich der Login ins Internetbanking und die telefonische Erreichbarkeit aus – nach Angaben des Instituts allerdings aus internen Gründen und ohne Zusammenhang mit Google 3 5. Am Mittag liefen die ING-Dienste wieder vollständig 3.
Warum eine Cloud-Panne zur Bankenpanne wird
Der Fall zeigt, wie eng die europäische Finanzbranche inzwischen an wenige Hyperscaler gebunden ist. Wer seine Kontoführung vollständig in eine App verlagert, verlagert auch sein Risiko: Fällt ein Rechenzentrum aus, steht nicht eine Bank still, sondern eine ganze Gruppe von Instituten gleichzeitig.
Bei Revolut kommt hinzu, dass es kaum Ausweichkanäle gibt. Ein klassisches Telefonbanking bietet das Unternehmen nicht an; in Störungsfällen bleibt Kunden oft nur, es später erneut zu versuchen 6. Wer nur ein Konto führt, steht dann ohne Zahlungsmittel da – im Supermarkt, an der Tankstelle, im Ausland.
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Regulatorisch ist das Thema seit Januar 2025 adressiert. Die europäische Verordnung DORA verpflichtet Finanzunternehmen, IKT-Risiken einschließlich der Abhängigkeit von Dienstleistern zu steuern, Verträge zu überwachen und schwerwiegende Vorfälle den Aufsehern zu melden. Für sogenannte kritische IKT-Drittanbieter ist zudem eine eigene europäische Aufsicht vorgesehen. Ob diese Instrumente greifen, entscheidet sich nicht in der Theorie, sondern in Tagen wie diesem.
Was der Ausfall für Kundengelder bedeutet
Der Ausfall war ein Verfügbarkeitsproblem, kein Solvenzproblem. Revolut versicherte mehrfach, dass Guthaben und Daten unberührt seien 1 5. Für Einlagen gilt zudem die europäische Einlagensicherung von 100.000 Euro je Kunde und Bank; bei Revolut läuft das europäische Bankgeschäft über die litauische Tochtergesellschaft, die der dortigen Aufsicht und Sicherung unterliegt.
Für Kunden ist die praktische Lehre trotzdem unangenehm: Ein zweites Konto oder eine zweite Karte bei einem anderen Institut kostet wenig und deckt genau jene Stunden ab, in denen die Hauptbank nicht erreichbar ist. Wer im Ausland unterwegs ist, sollte zusätzlich etwas Bargeld dabei haben.
Der Druck auf die Aufsicht
Für Revolut wiegt der Ausfall schwerer als für eine Filialbank. Das Unternehmen ist mit 121,1 Milliarden Dollar bewertet und liegt damit über etablierten Instituten wie Barclays, Lloyds oder Santander 1. Mehr als 80 Millionen Privatkunden nutzt die Bank, rund eine Million kommen alle 17 Tage hinzu; hält das Tempo, könnte die Marke von 100 Millionen Mitte 2027 fallen 1. Die größten Märkte sind Großbritannien mit 13 Millionen, Spanien mit sechs und Frankreich mit fünf Millionen Kunden, in Deutschland sind es rund drei Millionen 1 3. Hinzu kommen mehr als 750.000 Geschäftskunden 1.
Je größer diese Basis, desto stärker rückt die operative Widerstandsfähigkeit in den Fokus der Aufseher. Zu erwarten sind Nachfragen zur Architektur: Wie viele Rechenzentrumsregionen nutzt Revolut, wie schnell lässt sich Last verlagern, welche Prozesse laufen noch außerhalb der Cloud? Google kündigte an, die Ursache des Stromausfalls aufzuarbeiten; für die betroffenen Banken wird der Bericht zur Prüfungsgrundlage.
Ausblick
Der Vorfall war nach wenigen Stunden behoben, und es gibt keine Hinweise darauf, dass Geld oder Daten verloren gingen. Das unterscheidet ihn von einem Betrugs- oder Sicherheitsvorfall – und doch ist er ein Warnsignal.
Denn die Abhängigkeit ist nicht rückläufig. Digitalbanken wachsen schneller als klassische Institute, und sie wachsen fast ausschließlich auf fremder Infrastruktur. Die Frage, wie viele Ausfälle eine Branche verkraftet, die ihre Filialen gegen Apps und ihre eigenen Server gegen Cloud-Verträge getauscht hat, ist damit nicht beantwortet – nur deutlicher gestellt.
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