Das Amsterdamer Cybersicherheits-Startup Hadrian hat eine Series-B-Runde über 40 Millionen Dollar abgeschlossen. Angeführt wird sie von Forgepoint Capital International und SmartFin, die Gesamtfinanzierung steigt auf 65 Millionen Dollar. Das Unternehmen argumentiert, Angreifer bewegten sich dank KI in Maschinengeschwindigkeit, während viele Verteidigungsteams noch manuell arbeiteten.
Das Amsterdamer Cybersicherheits-Startup Hadrian hat eine Series-B-Finanzierungsrunde über 40 Millionen Dollar abgeschlossen. Angeführt wird die Runde von Forgepoint Capital International und SmartFin, wie das Unternehmen am 6. Oktober mitteilte [1] [2]. Damit steigt die Gesamtfinanzierung des 2021 gegründeten Unternehmens auf 65 Millionen Dollar [1] [3].
Was Hadrian anbietet
Hadrian betreibt nach eigener Darstellung eine "agentic offensive security platform" – also eine Plattform, die mit KI-Agenten die Angriffsflächen von Unternehmen absucht, ähnlich wie es Angreifer tun würden [1]. Das Angebot besteht aus zwei Produkten: Atlas kartiert kontinuierlich die von außen sichtbare Angriffsfläche eines Unternehmens und prüft mit speziell entwickelten KI-Agenten, welche Schwachstellen tatsächlich ausnutzbar sind. Nova übernimmt auf Abruf automatisierte Penetrationstests [2] [3]. Weil beide Produkte denselben Kontext teilen, kann ein Sicherheitsteam von der laufenden Überwachung direkt in eine tiefergehende Prüfung wechseln, ohne den Prozess neu aufzusetzen [2].
Gegründet wurde Hadrian von Rogier Fischer (CEO), Olivier Beg (Chief Hacking Officer) und Maurice Clin. Fischer und Beg waren nach Unternehmensangaben in ihrer Jugend als ethische Hacker aktiv; Beg galt zeitweise als weltweit führender White-Hat-Hacker auf der Plattform HackerOne [3] [4].
Wir haben mit LLMs gearbeitet, bevor sie Mainstream wurden, und wir wissen, dass KI viel schneller arbeiten kann als jedes menschliche Offensive-Security-Team. Also haben wir eine Plattform gebaut, die die Angriffspfade von Hackern emuliert [1].
So begründet Fischer den Ansatz. Der Mensch setze die Mission und treffe die Entscheidungen, die KI erledige die Arbeit dazwischen [1].
Wer investiert hat
Die Runde wurde von Forgepoint Capital International und SmartFin gemeinsam angeführt. Beteiligt waren zudem die Bestandsinvestoren HV Capital, Motive Partners, Picus Capital und Oetker Ventures [1] [2]. HV Capital hatte bereits die Seed-Runde 2022 angeführt [3].
Das frische Kapital soll die Expansion in Europa, dem Nahen Osten und Afrika sowie in den USA finanzieren und die Investitionen in Engineering- und Forschungsteams vertiefen [1] [2]. Saumitra Dubey, Partner bei SmartFin, sagte, man unterstütze den Plan, ein "nine-figure revenue business" aufzubauen – also einen Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe [3].
Die KI-Bedrohungslage als Argument
Kern der Investment-These ist die Annahme, dass KI das Tempo von Cyberangriffen verändert. Hadrian verweist auf eigene Zahlen: 87 Prozent der Organisationen setzten weiterhin auf manuelle Penetrationstests, und nur 0,47 Prozent der Befunde herkömmlicher Schwachstellen-Scanner seien tatsächlich ausnutzbar [1] [3]. Daraus folgt die These, dass Sicherheitsteams einen Großteil ihrer Ressourcen auf Fehlalarme verwenden.
Für die wachsende Bedrohung durch KI-gestützte Angriffe gibt es unabhängige Hinweise. Googles Threat Intelligence Group berichtete im Mai 2026 von einem mutmaßlich ersten bekannten Fall, in dem ein Angreifer eine Zero-Day-Schwachstelle mit KI-Unterstützung entwickelte [4]. Anthropic wiederum berichtete, kriminelle und staatlich unterstützte Gruppen nutzten KI-Modelle, um Teile von Angriffsketten zu automatisieren und Schadcode zu entwickeln [3] [4].
Fischer formuliert die Lage drastisch: "Wir haben 30 bis 40 Jahre Software entwickelt, und innerhalb von zwei Jahren wird KI jede einzelne Schwachstelle aufdecken. Das ist ein riesiges Problem" [4]. Zugleich räumt er ein, die Entwicklung unterschätzt zu haben: Man habe nicht erwartet, "dass LLMs so schnell so gut werden" [4].
Der Markt für KI-Abwehr
Hadrian ist nicht allein. Rund um automatisierte, KI-gestützte Offensive Security ist in den vergangenen Monaten ein dicht besetztes Finanzierungsfeld entstanden. SecurityWeek listet unter anderem XBOW mit 35 Millionen Dollar, A Security mit 37 Millionen Dollar, Escape mit 18 Millionen Dollar und Tenzai mit 75 Millionen Dollar Seed-Kapital [1]. Die These, dass KI die Verteidigung beschleunigen muss, zieht also breit Kapital an.
Zu den Kunden zählt Hadrian nach eigenen Angaben McKesson, NBC Universal, TotalEnergies, Amadeus, Leroy Merlin und die Damen Shipyard Group [2] [3]. Hans Quivooij, CISO des niederländischen Schiffbauers Damen, beschreibt den Wechsel: Früher habe man sich auf periodische Assessments und ein bekanntes Asset-Inventar verlassen, heute gebe Hadrian "kontinuierliche Sicht darauf, was ein Angreifer tatsächlich sehen und potenziell ausnutzen kann" [3].
Einordnung und Ausblick
Die von Hadrian genannten Effekte – zehnfach bessere Sicht auf kritische Risiken, 80 Prozent schnellere Behebung, fünffacher Return on Investment gegenüber manuellen Tests – sind Unternehmensangaben und nicht unabhängig geprüft [1] [2]. Solche Kennzahlen sind in der Branche üblich und mit Vorsicht zu lesen, da sie auf Kundenbefragungen und nicht auf standardisierten Messverfahren beruhen.
Unabhängig davon weist die Richtung des Marktes klar nach vorn: Wenn Angreifer zunehmend KI einsetzen, geraten manuelle Verteidigungsprozesse unter Druck. Für europäische Unternehmen kommt hinzu, dass Regulierung wie die NIS2-Richtlinie und der Digital Operational Resilience Act (DORA) kontinuierliche Risikobewertung und Nachweispflichten verlangen – ein Umfeld, das automatisierte, dokumentierte Sicherheitsprüfungen begünstigt.
Ob sich Hadrian in dem wettbewerbsintensiven Feld durchsetzt, hängt weniger an der Finanzierungsrunde als an der Frage, ob die Plattform dauerhaft belastbare Ergebnisse liefert. Die 40 Millionen Dollar verschaffen dem Unternehmen Zeit und Reichweite; sie sind noch kein Beweis für das Geschäftsmodell.
