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#derimeter: Satellitendaten bestätigen: El Niño 2026 verstärkt sich rasant

#derimeter: Satellitendaten bestätigen: El Niño 2026 verstärkt sich rasant

Satellitenaufnahme der Meeresoberflächentemperaturen im tropischen Pazifik: Die roten Bereiche zeigen die für El Niño typische Erwärmung (Symbolbild)

Satellitenaufnahme der Meeresoberflächentemperaturen im tropischen Pazifik: Die roten Bereiche zeigen die für El Niño typische Erwärmung (Symbolbild)
Satellitenaufnahme der Meeresoberflächentemperaturen im tropischen Pazifik: Die roten Bereiche zeigen die für El Niño typische Erwärmung (Symbolbild)

Der tropische Pazifik heizt sich auf – und die Satelliten der NASA schlagen Alarm. Aufnahmen des Sentinel-6 Michael Freilich zeigen eine markante Zunahme der Meeresoberflächenhöhe im zentralen und östlichen äquatorialen Pazifik, ein untrügliches Zeichen für die massive Wärmeausdehnung des Ozeans. Am 11. Juni 2026 erklärte die US-Klimabehörde NOAA das Klimaphänomen El Niño offiziell für ausgebrochen [5]. Nur eine Woche später bestätigen neue Satellitendaten: Das Ereignis gewinnt weiter an Kraft [1].

Der Sentinel-6 Michael Freilich Satellit der NASA und ESA misst die Meeresoberflächenhöhe – ein Schlüsselindikator für El Niño (Symbolbild)
Der Sentinel-6 Michael Freilich Satellit der NASA und ESA misst die Meeresoberflächenhöhe – ein Schlüsselindikator für El Niño (Symbolbild)

Satelliten erfassen die Wärme unter der Oberfläche


Der Sentinel-6 Michael Freilich, eine gemeinsame Mission von NASA und ESA, misst seit 2020 präzise die Höhe der Meeresoberfläche. Wenn sich Ozeanwasser erwärmt, dehnt es sich aus – der Meeresspiegel steigt. Diese Anomalien sind ein zuverlässigerer Indikator für El Niño als die reine Oberflächentemperatur, denn sie zeigen, wie viel Wärme im gesamten Wasserkörper gespeichert ist [1].


Auf der Karte vom 8. Juni 2026, die das NASA Earth Observatory veröffentlichte, erscheint ein breites rotes Band entlang des Äquators – höhere, wärmere Wasseroberflächen, die sich vom zentralen Pazifik bis vor die Küste Südamerikas erstrecken. "Die Bedingungen im westlichen Pazifik ähneln denen von 1997", sagt Severine Fournier, Meeresforscherin am Jet Propulsion Laboratory der NASA und stellvertretende Projektwissenschaftlerin für Sentinel-6 [1]. 1997 brachte einen der stärksten El Niños der Geschichte.


Bereits im Frühjahr 2026 hatte der Satellit sogenannte Kelvin-Wellen registriert – hunderte Kilometer breite Schwälle warmen Wassers, die von West nach Ost durch den Pazifik wandern. Diese Wellen entstehen, wenn die Passatwinde im westlichen Pazifik nachlassen oder sich umkehren. Das warme Wasser staut sich dann im Osten, drückt die Thermokline nach unten und unterdrückt das normalerweise kühlende Aufsteigen tieferer Wasserschichten vor den Küsten Amerikas [1].


"Es sieht nach einem großen Ereignis aus"


Die NOAA beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass El Niño im November bis Januar eine "sehr starke" Intensität erreicht, auf 63 Prozent. Damit würde das Ereignis "zu den größten El Niños in der historischen Aufzeichnung seit 1950 zählen" [5]. Einige der aktuellen US-amerikanischen und europäischen Modellrechnungen (ECMWF) gehen noch weiter: Sie zeigen Temperaturen im tropischen Pazifik, die bis zum Jahresende um mehr als 3 Grad Celsius über dem Durchschnitt liegen könnten [3].


Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hatte bereits am 2. Juni gewarnt: Die Wahrscheinlichkeit für ein El-Niño-Ereignis im Zeitraum Juni bis August liege bei 80 Prozent, für ein Andauern bis mindestens November bei nahezu oder über 90 Prozent [4]. UN-Generalsekretär António Guterres bezeichnete El Niño als "dringende Klimawarnung" und forderte ein Ende der "Sucht nach fossilen Brennstoffen" [2].


Fournier dämpft die Erwartungen dennoch leicht: Im östlichen Pazifik hinke die Entwicklung hinter 1997 her, es hätten sich bis zum 8. Juni weniger Kelvin-Wellen aufgebaut. "Für den Moment sieht es nach einem großen Ereignis aus – mehr als ich noch letzte Woche gesagt hätte –, aber wir brauchen weitere Beobachtungen, um zu wissen, was passieren wird", so die JPL-Forscherin [1].


Was der Welt bevorsteht


El Niño ist die Warmphase der El-Niño-Southern-Oscillation (ENSO), eines der mächtigsten natürlichen Klimamuster der Erde. Es tritt alle zwei bis sieben Jahre auf und dauert typischerweise neun bis zwölf Monate. Die Auswirkungen sind global, aber regional höchst unterschiedlich [4].


Typischerweise bringt El Niño mehr Niederschlag in den Süden der USA, Teile Südamerikas, das Horn von Afrika und Zentralasien. Dürre droht dagegen in Australien, Indonesien, Zentralamerika, der Karibik, dem nördlichen Südamerika und Teilen Südasiens. Die atlantische Hurrikan-Saison wird in El-Niño-Jahren meist gedämpft – dafür steigt die Gefahr von Wirbelstürmen im Pazifik [2].


Für die globale Landwirtschaft sind die Aussichten gemischt. Während die Bedingungen für Getreide und insbesondere Sojabohnen in 18 großen US-Anbaustaaten günstig erscheinen, sind Mais und Reis besonders verwundbar. Dürren könnten die Nahrungsmittelproduktion in Südafrika, Indien, Indonesien, Vietnam und Brasilien beeinträchtigen [2].


Klimawandel als Brandbeschleuniger


Das Besorgniserregendste an diesem El Niño ist der Kontext: Er trifft auf einen Planeten, der durch den menschengemachten Klimawandel bereits stark aufgeheizt ist. "Der aktuelle El Niño reitet auf einer erheblichen Menge globaler Erwärmung", sagt Adam Scaife, Leiter der monatlichen bis dekadischen Vorhersage beim britischen Met Office. "Das bedeutet, dass die tatsächlichen Temperaturen in den betroffenen Regionen beispiellos sein könnten." [3]


Ein sehr starker El Niño hebt die globalen Lufttemperaturen typischerweise um etwa 0,2 Grad Celsius an, indem er im Ozean gespeicherte Wärme in die Atmosphäre freisetzt. 2024 – das bisher wärmste Jahr der Aufzeichnungen – wurde von einem El Niño befeuert, der nicht einmal besonders stark war. Und 2025 war trotz des kühlenden Einflusses einer La Niña noch das drittwärmste Jahr, heißer sogar als das Super-El-Niño-Jahr 2016 [3].


Die WMO betont, dass es keine Belege dafür gibt, dass der Klimawandel die Häufigkeit oder Intensität von El-Niño-Ereignissen erhöht. Aber er kann die Auswirkungen verstärken, weil ein wärmerer Ozean und eine wärmere Atmosphäre mehr Energie und Feuchtigkeit für Extremwetterereignisse bereitstellen [4].


Ausblick: Ein Rekordjahr 2027?


Die stärksten Auswirkungen von El Niño auf die globalen Temperaturen zeigen sich typischerweise im zweiten Jahr nach seiner Entwicklung. "Ende dieses Jahres und 2027 werden wir wahrscheinlich sehr hohe globale Temperaturen sehen", prognostiziert Scaife. "2027 könnte leicht zu einem weiteren Jahr über 1,5 Grad führen." [3] Die 1,5-Grad-Marke gilt als kritische Schwelle des Pariser Klimaabkommens.


Für die kommenden Wochen bleibt der Blick auf den Pazifik gerichtet. Entscheidend wird sein, wie viele weitere Kelvin-Wellen den Osten erreichen und wie tief sich die warme Schicht unter der Oberfläche aufbaut. Die Sentinel-6-Daten der nächsten Wochen werden zeigen, ob das Ereignis tatsächlich in die Liga der historischen Super-El-Niños von 1982/83, 1997/98 und 2015/16 aufsteigt – oder ob die Atmosphäre doch einen anderen Weg einschlägt.