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#derimeter: Schleswig-Holstein fördert Cyberschutz für den Mittelstand — fast zwei Millionen Euro für KMU

#derimeter: Schleswig-Holstein fördert Cyberschutz für den Mittelstand — fast zwei Millionen Euro für KMU

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen will KMU künftig mit bis zu 40 Prozent bei Cybersicherheitsmaßnahmen fördern. (Bild: picture alliance/dpa | Frank Molter)

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen will KMU künftig mit bis zu 40 Prozent bei Cybersicherheitsmaßnahmen fördern. (Bild: picture alliance/dpa | Frank Molter)
Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen will KMU künftig mit bis zu 40 Prozent bei Cybersicherheitsmaßnahmen fördern. (Bild: picture alliance/dpa | Frank Molter)

Angesichts steigender Ransomware-Angriffe legt die Landesregierung ein Förderprogramm für kleine und mittlere Unternehmen auf. Bis zu 40 Prozent der Kosten für Cybersicherheitsmaßnahmen sollen künftig bezuschusst werden. Experten sehen das als überfälliges Signal — warnen aber vor zu hohen Erwartungen.


Die Landesregierung Schleswig-Holstein reagiert auf eine wachsende Bedrohungslage und schärft ihre Digitalisierungsförderung nach. Wie Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, werden künftig auch Projekte für mehr Cybersicherheit bei kleinen und mittleren Unternehmen mit bis zu 40 Prozent der Kosten gefördert. Für das Programm stellt das Land zunächst für drei Jahre knapp eine Million Euro bereit. Parallel dazu baut die Landesregierung ein landesweites Unterstützungsnetzwerk für KMU auf — auch dafür sind knapp eine Million Euro eingeplant. Die Berichterstattung darüber hatte zunächst die Zeit aufgegriffen.


Zahlen aus dem Norden


Die Ausgangslage, die das Programm begründet, ist konkret: Allein im vergangenen Jahr wurden der Polizei in Schleswig-Holstein 29 Fälle bekannt, in denen Kriminelle über Ransomware Daten von Betrieben verschlüsselten, um anschließend Lösegeld zu erpressen. Seit 2022 registrierte die Landesregierung insgesamt 123 Cyberangriffe und sicherheitsrelevante IT-Vorfälle auf die digitalen Strukturen des Landes — mit steigender Tendenz.


Minister Madsen machte auch klar, woher die Bedrohung in der Regel kommt: „Vom zuständigen Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik wissen wir, dass die Urheber der Attacken zumeist in Russland, Nordkorea oder China sitzen."


Digitalisierung als Einfallstor


Madsen benannte dabei einen Zusammenhang, der in politischen Debatten oft ausgeblendet wird: Zunehmende Digitalisierung bedeute stets auch eine größere Angriffsfläche für Cyberkriminelle. Das Förderprogramm ist deshalb als Ergänzung zu verstehen — nicht als Ersatz für eigene Schutzmaßnahmen. „Denn die Frage lautet längst nicht mehr, ob Unternehmen angegriffen werden, sondern wann und wie gut sie darauf vorbereitet sind", so Madsen.


Richtige Richtung — aber reicht es?


Das Signal aus Kiel kommt zur richtigen Zeit. Auf Bundesebene wurden zuletzt ähnliche Töne angeschlagen: Das BSI zählte im vergangenen Jahr bundesweit über 1.000 gemeldete Ransomware-Fälle, Tendenz steigend. Und auf der Konferenz für nationale Cybersicherheit in Potsdam sprach BSI-Präsidentin Claudia Plattner erst vergangene Woche von einer „neuen Zeitrechnung der Cybersicherheit" durch KI-gestützte Angriffe.


Daniel Schönland, Gründer und CEO des Cybersicherheitsunternehmens Identiqa, begrüßt den Schritt — ordnet ihn aber ein: „Dass ein Bundesland fast zwei Millionen Euro in den Schutz kleiner Unternehmen investiert, ist ein wichtiges Signal. Aber ehrlich gesagt: Eine einzige Ransomware-Attacke kostet einen mittelständischen Betrieb oft mehr als das gesamte Förderprogramm. Was wir brauchen, sind skalierbare Lösungen, die KMU dauerhaft absichern — nicht nur Anschubfinanzierung."


Identiqa richtet sich nach eigenen Angaben gezielt an Unternehmen, die sich keine eigene IT-Sicherheitsabteilung leisten können, und setzt dabei auf KI-gestützte Bedrohungserkennung in Echtzeit.


Einordnung: Förderung als Anfang, nicht als Lösung


Das Schleswig-Holsteiner Programm ist ein Schritt in die richtige Richtung — und dürfte nicht das letzte dieser Art bleiben. Mehrere Bundesländer beobachten die Initiative; ähnliche Modelle werden in NRW und Bayern diskutiert.


Die strukturelle Herausforderung bleibt jedoch bestehen: Viele kleine Unternehmen wissen nicht, wie sie Fördermittel beantragen sollen, welche Maßnahmen förderfähig sind oder wen sie als vertrauenswürdigen Dienstleister beauftragen können. Das angekündigte Unterstützungsnetzwerk soll hier ansetzen — ob es in der Praxis greift, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.