Mit einer großangelegten internationalen Operation unter Federführung des Bundeskriminalamts wurde die Infrastruktur der Phishing-Plattform „Kratos“ abgeschaltet. Der Dienst erlaubte es Cyberkriminellen, Sicherheitsmaßnahmen wie die Multi-Faktor-Authentifizierung automatisiert zu umgehen.
Die internationale Cybercrime-Landschaft hat einen herben Rückschlag erlitten. Das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) hat gemeinsam mit der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) sowie internationalen Partnerbehörden, darunter das US-amerikanische FBI, den Phishing-as-a-Service-Dienst „Kratos“ zerschlagen [1] [2]. Die Aktion, die im Juli 2026 durchgeführt wurde, markiert einen bedeutenden Erfolg im Kampf gegen organisierte Online-Kriminalität, die zunehmend durch spezialisierte Baukastensysteme professionalisiert wird.
Ein Baukasten für Kriminelle
„Kratos“ fungierte als eine Art „Phishing-as-a-Service“-Plattform (PaaS). Dabei handelt es sich um ein Geschäftsmodell, bei dem technisch weniger versierte Akteure gegen eine Gebühr Zugang zu vorgefertigten Werkzeugen erhalten, um Cyberangriffe durchzuführen. Die Ermittler berichten, dass die Infrastruktur monatlich rund 15.000 Phishing-Kampagnen ermöglichte [3] [4].
Die Plattform bot Nutzern die Möglichkeit, täuschend echte Kopien von Login-Seiten, insbesondere im Kontext von Microsoft-Authentifizierungsdiensten, zu erstellen. Ein wesentlicher Bestandteil des Angebots war zudem die gezielte Umgehung von Multi-Faktor-Authentifizierungen (MFA). Durch sogenannte Session-Diebstähle konnten die Angreifer Sicherheitsbarrieren überwinden, selbst wenn das Opfer die Anmeldung auf seinem Gerät bestätigte [5].
Schlag gegen die Infrastruktur
Im Rahmen der operativen Maßnahmen wurden weltweit über 200 Server beschlagnahmt und neutralisiert, die als Rückgrat für die Kampagnen der Kriminellen dienten [1] [6]. Nach Angaben der Sicherheitsbehörden zählte die Plattform rund 1.800 aktive Nutzer, die den Dienst zur Durchführung ihrer Straftaten mieteten [2] [4].
Neben der technischen Infrastruktur konnten die Ermittler auch den mutmaßlichen Hauptentwickler der Plattform identifizieren und festnehmen [2] [7]. Die Zerschlagung ist das Ergebnis monatelanger, komplexer Ermittlungen, bei denen die Behörden die Verbindungen zwischen den verschiedenen Knotenpunkten des Netzwerks nachvollziehen konnten.
Technologische Herausforderungen bleiben bestehen
Die Abschaltung von „Kratos“ ist ein wichtiger Schritt, doch Experten warnen vor einer falschen Sicherheit. Die Komplexität der Angriffe nimmt weiter zu, insbesondere durch den verstärkten Einsatz von künstlicher Intelligenz zur Automatisierung von Phishing-Inhalten [3].
Besonders besorgniserregend bleibt der Trend zu mobilen Betrugsmaschen. Während klassisches E-Mail-Phishing durch Filter zunehmend erkannt wird, verlagert sich das kriminelle Handeln verstärkt auf „Smishing“ (SMS-Phishing) und „Quishing“ (QR-Code-Phishing). Daten für das zweite Quartal 2026 deuten auf Zuwachsraten von über 140 Prozent bei derartigen Angriffsmethoden hin [4].
Die Behörden betonen, dass nach einer solchen Operation die Aufarbeitung bei den betroffenen Unternehmen und Privatpersonen ansteht. Da Kratos gezielt Sitzungs-Tokens stahl, müssen viele der kompromittierten Konten nun aktiv revokiert und neu gesichert werden, um einen dauerhaften Zugriff der Angreifer zu verhindern [5].