Der japanische Cloud- und Rechenzentrumsanbieter Sakura Internet hat eine deutliche Ausweitung eines laufenden Cyberangriffs eingeräumt. Nach Unternehmensangaben könnten bis zu 1,36 Millionen Kundenkonten betroffen sein – die Aktie brach daraufhin zeitweise um mehr als zehn Prozent ein.
Die Aktie des japanischen Cloud-Anbieters Sakura Internet ist nach der Ausweitung eines laufenden Cyberangriffs deutlich unter Druck geraten. Am Donnerstag fiel der Kurs zeitweise um mehr als zehn Prozent, bevor er sich bei einem Minus von rund 9,7 Prozent auf 3.535 Yen stabilisierte [3] [4]. Auslöser war eine neue Mitteilung des Unternehmens, wonach der Angriff deutlich größere Ausmaße hat als zunächst bekannt.
Der Angriff weitet sich aus
Sakura Internet hatte am 17. August erstmals über einen unbefugten Zugriff auf Teile seines Miet-Server-Dienstes „Sakura no Rental Server" informiert. Nach Angaben des Unternehmens war am 9. August eine Anomalie in der eigenen Serverumgebung erkannt worden; die Untersuchung ergab, dass Angreifer über die firmeneigene Infrastruktur in Kundenumgebungen eingedrungen waren [2].
Dabei wurden 583 Konten von einem unbefugten Login betroffen, auf einigen Servern wurde Schadsoftware platziert. Zudem bestand die Möglichkeit, dass personenbezogene Daten Dritter eingesehen oder abgegriffen wurden [2].
In einer zweiten Meldung vom 19. August räumte das Unternehmen ein, dass der Vorfall weiter reicht. Bei der fortgesetzten Untersuchung sei ein möglicher unbefugter Zugriff auf das sogenannte Vertriebsmanagementsystem festgestellt worden, in dem Vertrags- und Mitgliederdaten der Kunden verwaltet werden [1]. Dieses System ist nach Unternehmensangaben getrennt von der Umgebung, in der Dienste wie „Sakura no Cloud“ betrieben werden [1].
Bis zu 1,36 Millionen Konten betroffen
Die zentrale Zahl der neuen Mitteilung: Insgesamt 1.360.563 Konten könnten von dem Vorfall betroffen sein. Das Unternehmen betont ausdrücklich, dass es sich dabei um eine mögliche, noch nicht abschließend bestätigte Zahl handelt [1]. In der Summe sind auch die bereits gemeldeten 583 Konten des Miet-Server-Dienstes enthalten [1].
Zudem wurde festgestellt, dass bei einem Teil der Kunden möglicherweise auf gehashte Passwortdaten zugegriffen wurde. Gehashte Passwörter sind so aufbereitet, dass sie sich nach Angaben des Unternehmens nur schwer in die ursprünglichen Passwörter zurückrechnen lassen [1]. Eine externe Weitergabe von Daten wurde bislang nicht bestätigt, die Prüfung läuft aber weiter [1]. Kreditkartendaten speichert Sakura Internet eigenen Angaben zufolge nicht [1].
Reaktionen und Gegenmaßnahmen
Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben umgehend Gegenmaßnahmen eingeleitet. Dazu zählen die Entwertung der für den Angriff genutzten Zugangsdaten, die Entfernung der Schadsoftware, eine verstärkte Überwachung der betroffenen Systeme sowie eine forensische Untersuchung durch externe Spezialisten [1] [2]. Zudem wurden die zuständigen japanischen Behörden, darunter das Ministerium für Innere Angelegenheiten und Kommunikation sowie die Datenschutzkommission, informiert [2].
Betroffene Kunden werden individuell benachrichtigt. Das Unternehmen warnt zugleich vor Phishing-Versuchen, die sich an den Vorfall anhängen könnten, und weist darauf hin, dass es Passwörter oder Kreditkartendaten niemals per E-Mail oder Telefon abfrage [2].
Marktkontext und Einordnung
Der Kursrutsch fällt in eine Phase, in der Sakura Internet an den Kapitalmärkten stark im Fokus steht. Das Unternehmen gilt als einer der Profiteure des KI-Booms in Japan und hatte im Frühjahr von einer angekündigten Milliardeninvestition von Microsoft in die japanische KI-Infrastruktur profitiert, die die Aktie zwischenzeitlich um rund 20 Prozent steigen ließ [6]. Entsprechend hoch sind nun die Erwartungen an die Bewertung – und entsprechend sensibel reagiert der Markt auf Sicherheitsvorfälle.
Für Kunden des Cloud-Anbieters bedeutet der Vorfall vor allem Unsicherheit: Vertrags- und Mitgliederdaten gelten als besonders sensibel, und die genaue Reichweite des Zugriffs ist noch nicht abschließend geklärt. Das Unternehmen betont, dass die eigentlichen Cloud-Dienste von dem Angriff bislang nicht betroffen seien [1] [2]. Ob sich das im weiteren Verlauf der Untersuchung bestätigt, bleibt abzuwarten.
Ausblick
Der Fall zeigt erneut, wie verwundbar auch etablierte Infrastrukturanbieter gegenüber Angriffen auf interne Verwaltungssysteme sind. Für Sakura Internet steht nun die Aufklärung im Vordergrund – und die Frage, ob sich der Vorfall auf das Vertrauen der Kunden und damit auf das Geschäft auswirkt. Marktbeobachter dürften zudem genau verfolgen, ob weitere Details zu Umfang und Ursache des Angriffs bekannt werden. Das Unternehmen hat zugesagt, neue Erkenntnisse unverzüglich zu veröffentlichen [1].