Marks & Spencer (M&S) verzeichnet nach Branchendaten wieder ein beschleunigtes Wachstum seiner Lebensmittelverkäufe. In den zwölf Wochen bis zum 9. August stiegen die Umsätze im Jahresvergleich um 6,7 Prozent – ein Indiz dafür, dass die Folgen des Cyberangriffs vom April aus den Zahlen herausfallen und sich der Konzern erholt.
Der britische Einzelhandelskonzern Marks & Spencer (M&S) kommt nach dem Cyberangriff vom April wieder in die Spur. Nach Daten des Marktforschers NielsenIQ legten die Lebensmittelverkäufe in den zwölf Wochen bis zum 9. August um 6,7 Prozent im Jahresvergleich zu – nach 4,3 Prozent im Vormonatsbericht [1]. Der Marktanteil im britischen Lebensmittelhandel blieb demnach stabil bei 3,7 Prozent [1].
Die Zahlen sind ein frühes Signal, dass sich das Geschäft des Traditionshändlers von einem der folgenreichsten Cyberangriffe der britischen Wirtschaftsgeschichte erholt. Der Konzern hatte nach dem Angriff über Wochen hinweg Online-Bestellungen ausgesetzt und weitere Systeme vom Netz genommen – mit spürbaren Folgen auch für das Lebensmittelgeschäft.
Der Cyberangriff und seine Folgen
Der Angriff traf M&S rund um das Osterwochenende im April. Der Konzern stellte den Online-Verkauf von Bekleidung für 46 Tage ein und nahm weitere Systeme offline, was die Verfügbarkeit von Lebensmitteln reduzierte und zu höherem Abfall sowie höheren Logistikkosten führte [1]. Im Mai bezifferte M&S die erwarteten Verluste an Betriebsgewinn auf rund 300 Millionen Pfund [1].
Die Belastung schlug sich deutlich in den Halbjahreszahlen nieder: Der bereinigte Vorsteuergewinn brach in den sechs Monaten bis zum 27. September um 55,4 Prozent auf 184,1 Millionen Pfund ein, getragen von einem Einbruch der Online-Verkäufe im Bereich Heim und Mode um 40 Prozent [2]. Insgesamt kostete der Angriff den Konzern nach eigenen Angaben 324 Millionen Pfund an verlorenen Umsätzen, von denen rund 100 Millionen Pfund über eine Versicherung zurückgeholt wurden [2].
Lebensmittelgeschäft als Stabilisator
Das Lebensmittelgeschäft erwies sich dabei als widerstandsfähig. Die NielsenIQ-Daten zeigen eine charakteristische Kurve: Unmittelbar nach dem Angriff wuchsen die Lebensmittelverkäufe in den zwölf Wochen bis zum 17. Mai noch um 10,8 Prozent – getragen von einer hohen Vergleichsbasis und trotz eingeschränkter Verfügbarkeit [3]. In den Folgewochen verlangsamte sich das Wachstum auf 9,1 Prozent (bis 14. Juni) und dann auf 4,3 Prozent (bis 12. Juli), als die Störungen in den Logistik- und Bestellsystemen ihre Wirkung entfalteten [4]. Mit 6,7 Prozent in den zwölf Wochen bis zum 9. August beschleunigte sich das Wachstum nun wieder [1].
Der Konzern nahm den Online-Verkauf von Bekleidung am 10. Juni wieder auf und startete den Click-and-Collect-Service am 11. August nach einer fast viermonatigen Pause [1]. Die Erholung verlaufe im Lebensmittelbereich schneller als in Mode, Heim und Beauty, hieß es vom Unternehmen [2].
Ausblick: Rückkehr zum Gewinnwachstum
Für das Gesamtjahr rechnet M&S mit einer vollständigen Erholung des Handelsgeschäfts bis zum Ende des Geschäftsjahres [2]. Im Mai 2026 legte der Konzern die Jahreszahlen für das Geschäftsjahr bis zum 28. März 2026 vor: Der bereinigte Vorsteuergewinn fiel um 23,8 Prozent auf 671,4 Millionen Pfund, nach 881,1 Millionen Pfund im Vorjahr [5]. Zugleich stellte das Management eine Rückkehr zum Gewinnwachstum im laufenden Jahr in Aussicht [5].
Analysten mahnen allerdings zur Vorsicht. Dan Coatsworth, Marktstratege bei AJ Bell, verwies darauf, dass Konkurrenten wie Next während der langen Störungsphase Kunden abgeworben hätten – und dass die Erholung im Bekleidungsgeschäft langsamer verlaufe als im Lebensmittelbereich [2]. Ob die während der Krise abgewanderten Kunden dauerhaft zurückkehren, bleibt abzuwarten.
M&S ist nicht der einzige britische Händler, der von Cyberangriffen getroffen wurde: Auch das Luxuskaufhaus Harrods und die Genossenschaft Co-op waren Ziele von Angriffen [2]. Ob die Attacken zusammenhängen, ist nach Angaben der Behörden weiterhin Gegenstand laufender Ermittlungen [2].