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#derimeter: EU weist Apples Siri-AI-Vorwürfe zurück: "Entscheidung liegt allein bei Apple"

#derimeter: EU weist Apples Siri-AI-Vorwürfe zurück: "Entscheidung liegt allein bei Apple"

Ein Smartphone mit KI-Assistenten-Oberfläche: Siri AI bleibt EU-Nutzern auf iPhone und iPad vorerst verwehrt (Symbolbild)

Ein Smartphone mit KI-Assistenten-Oberfläche: Siri AI bleibt EU-Nutzern auf iPhone und iPad vorerst verwehrt (Symbolbild)
Ein Smartphone mit KI-Assistenten-Oberfläche: Siri AI bleibt EU-Nutzern auf iPhone und iPad vorerst verwehrt (Symbolbild)

Die Europäische Kommission hat am Dienstag mit ungewöhnlicher Schärfe auf Apples Vorwurf reagiert, der Digital Markets Act (DMA) verhindere die Einführung der neuen KI-Assistentin Siri AI in der Europäischen Union. "Die Entscheidung, Siri AI nicht in der EU einzuführen, liegt allein bei Apple und nur bei Apple", sagte Kommissionssprecher Thomas Regnier bei einem Pressebriefing in Brüssel [1].

Der Berlaymont-Sitz der Europäischen Kommission in Brüssel: Die Behörde weist Apples DMA-Vorwürfe entschieden zurück (Symbolbild)
Der Berlaymont-Sitz der Europäischen Kommission in Brüssel: Die Behörde weist Apples DMA-Vorwürfe entschieden zurück (Symbolbild)

Apple hatte am Montag auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC 2026 eine grundlegend überarbeitete Version von Siri vorgestellt – und zugleich mitgeteilt, dass diese mit dem Start von iOS 27 und iPadOS 27 im Herbst in den 27 EU-Mitgliedstaaten nicht verfügbar sein werde [2]. Als Grund nannte der Konzern die "extreme Auslegung" des DMA durch die EU-Regulierungsbehörden.


Die gegensätzlichen Darstellungen


Die Versionen beider Seiten könnten unterschiedlicher kaum sein. Apple zufolge habe man der Kommission einen technischen Lösungsvorschlag unterbreitet: einen sogenannten "Trusted System Agent" – eine Vermittlerschicht, die es Drittanbietern von KI-Assistenten erlauben würde, sicher auf dieselben Gerätefunktionen zuzugreifen wie Siri AI, ohne dass Nutzerdaten ungeschützt blieben. Dieser Plan sollte über 18 Monate schrittweise ausgerollt werden [2].


Die Kommission widerspricht dieser Darstellung fundamental. "Anstatt zu versuchen, eine geeignete, konforme Lösung zu finden, hat Apple die Europäische Kommission einfach gebeten, für mindestens 18 Monate von seinen Interoperabilitätsverpflichtungen befreit zu werden", erklärte Regnier [1]. Dies sei "keine Option", denn es würde bedeuten, "dass kein anderer KI-Assistent als Siri AI die gleiche Chance hätte, von iPhone-Nutzern ausgewählt zu werden" [3].


Was der DMA tatsächlich verlangt


Der Digital Markets Act stuft iPhone und iPad – nicht aber Mac, Apple Watch oder Vision Pro – als Gatekeeper-Plattformen ein. Für diese gilt die Verpflichtung, konkurrierenden Anbietern gleichberechtigten Zugang zu gewähren. Im konkreten Fall geht es um die Frage, ob und wie andere KI-Assistenten auf Systemebene mit Siri AI konkurrieren können.


Apple argumentiert, die DMA-Vorgaben würden in der Auslegung der Kommission bedeuten, jedem KI-System "nahezu unbegrenzten Zugriff" auf das Gerät eines Nutzers zu gewähren – inklusive der Fähigkeit, Nachrichten zu lesen und zu senden, Einkäufe zu tätigen und Dateien zu verändern [2]. Sicherheitsforscher hätten bereits gezeigt, dass KI-Systeme gekapert werden könnten, um Passwörter und Fotos zu stehlen.


EU-Recht sei "nicht verhandelbar", hielt Regnier dagegen. "Die Kommission wird keine Ausnahmen gewähren, genauso wenig wie ein Polizist einen Fahrer von der Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung befreien würde" [1].


Was EU-Nutzer bekommen – und was nicht


Die Auswirkungen für europäische Apple-Kunden sind erheblich. Wenn iOS 27 und iPadOS 27 im Herbst 2026 erscheinen, bleiben sämtliche Siri-AI-Funktionen auf iPhone und iPad in der EU deaktiviert – darunter die neue Chat-Oberfläche, die erweiterte "Visual Intelligence", integrierte Schreibwerkzeuge und der Siri-Modus in der Kamera-App [2].


Auch die Apple Watch geht leer aus: Da Siri AI auf watchOS 27 ein gekoppeltes iPhone mit der neuen Assistenzfunktion voraussetzt, entfällt die Nutzung auch am Handgelenk. Auf Macs mit macOS 27 und der Vision Pro mit visionOS 27 wird Siri AI hingegen verfügbar sein – zunächst allerdings nur auf Englisch [2].


Apples Softwarechef Craig Federighi zeigte sich "zutiefst enttäuscht" und betonte, der Konzern hoffe, Siri AI "letztendlich auch in der EU anbieten zu können". Einen Zeitplan dafür gebe es jedoch nicht, da die Regulierungsbehörden sich weigerten, "konstruktiv an Lösungen zu arbeiten, die Datenschutz und Sicherheit gewährleisten" [2].


Einordnung: Eskalation mit Ansage


Der Streit um Siri AI ist kein isolierter Vorfall, sondern die jüngste Eskalation in einem seit Jahren schwelenden Konflikt zwischen Apple und der EU-Kommission. Bereits 2024 hatte Apple die Einführung von Apple-Intelligence-Funktionen in der EU verzögert und auf den DMA verwiesen. Die Kommission wiederum hat in den vergangenen Jahren mehrere Verfahren gegen Apple eingeleitet, unter anderem wegen der App-Store-Regeln und des Umgangs mit Wettbewerbern im Bereich mobiler Zahlungsdienste.


Bemerkenswert ist, dass Siri AI auch in China nicht zum Start verfügbar sein wird – dort allerdings aus anderen regulatorischen Gründen [4]. Kritiker werfen Apple vor, den DMA gezielt als Druckmittel zu instrumentalisieren, um eine Aufweichung der EU-Digitalgesetze zu erreichen. Beobachter sehen in der öffentlichen Zuspitzung auch eine Botschaft an die US-Regierung, die europäische Tech-Regulierung seit Jahren kritisiert.


Für europäische Verbraucher bedeutet der Konflikt vorerst: Sie bleiben bei einer der ambitioniertesten Produktvorstellungen Apples außen vor. Ob und wann sich daran etwas ändert, hängt davon ab, ob beide Seiten doch noch zu konstruktiven Gesprächen zurückfinden – oder ob sich die Fronten weiter verhärten.