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#derimeter: US-Justiz unter Trump: Chicagoer Bundesstaatsanwalt dementiert Ermittlungen gegen E. Jean Carroll

#derimeter: US-Justiz unter Trump: Chicagoer Bundesstaatsanwalt dementiert Ermittlungen gegen E. Jean Carroll

Das Justizministerium in Washington: Unter der Trump-Regierung zunehmend unter politischem Druck (Symbolbild)

Der oberste Bundesstaatsanwalt von Chicago, Andrew Boutros, hat am späten Donnerstagabend offiziell dementiert, dass seine Behörde strafrechtliche Ermittlungen gegen E. Jean Carroll eingeleitet habe. Die Autorin hatte Donald Trump in zwei aufsehenerregenden Zivilprozessen wegen sexuellen Missbrauchs und Verleumdung verklagt und Schadensersatz in Höhe von insgesamt 88,3 Millionen Dollar zugesprochen bekommen. Boutros erklärte in einer schriftlichen Stellungnahme, sein Büro habe "niemals eine strafrechtliche Untersuchung gegen E. Jean Carroll eröffnet". Das Dementi erfolgte rund 24 Stunden, nachdem mehrere große Nachrichtenorganisationen – darunter CNN, die Washington Post und NBC News – unter Berufung auf anonyme Quellen über eine angebliche Meineid-Untersuchung des Justizministeriums gegen Carroll berichtet hatten.


Das Bundesgerichtsgebäude in Chicago: Der zuständige Bundesstaatsanwalt dementierte die Aufnahme von Ermittlungen (Symbolbild)
Das Bundesgerichtsgebäude in Chicago: Der zuständige Bundesstaatsanwalt dementierte die Aufnahme von Ermittlungen (Symbolbild)


Ermittlungen richten sich offenbar gegen Finanzierer


Eine mit der Angelegenheit vertraute Person, die zunächst gegenüber der Nachrichtenagentur AP erklärt hatte, die Ermittler konzentrierten sich auf Carroll selbst, präzisierte später: Der eigentliche Fokus der Untersuchung liege auf einer gemeinnützigen Organisation, die Carrolls Zivilklage finanziell unterstützt hatte. Diese Organisation wird von Reid Hoffman, dem Mitbegründer des Karrierenetzwerks LinkedIn, unterstützt. Der geschäftsführende Justizminister Todd Blanche ist nach Angaben der informierten Person von dem Vorgang ausgeschlossen, da er zuvor als persönlicher Anwalt Trumps tätig war. Die Untersuchung wird demnach von der Bundesstaatsanwaltschaft in Chicago geführt.


Der Vorwurf: Verschwiegene Prozessfinanzierung


Im Kern der Kontroverse steht eine Aussage Carrolls aus dem Jahr 2020. Während des Zivilverfahrens hatte sie erklärt, niemand anderes zahle ihre Anwaltskosten. Später wurde öffentlich bekannt, dass eine in Chicago ansässige Organisation, die von Hoffman finanziert wird, Carrolls Fall mitfinanziert hatte. Trumps Anwälte warfen Carroll daraufhin vor, diese Information verschwiegen zu haben – was aus ihrer Sicht die Frage aufwarf, ob der Fall politisch motiviert gewesen sei. Das Berufungsgericht des 2. Bundesbezirks hatte sich mit diesem Vorwurf bereits in einem Urteil vom 30. Dezember 2024 auseinandergesetzt. Es befand, Carroll sei "einfach nicht in die Frage involviert gewesen, wer ihre Prozesskosten finanzierte oder nicht". Das Gericht bestätigte damit die Glaubwürdigkeit Carrolls und hielt das erstinstanzliche Urteil über 5 Millionen Dollar aufrecht. Hoffman selbst verteidigte die finanzielle Unterstützung in einem Social-Media-Beitrag: "Frauen in ihrem Kampf für Fortschritt und Gerechtigkeit zu unterstützen, ist seit Langem eine Priorität für mich – ebenso wie der Einsatz für Amerika gegen die Bedrohung durch Trump."


Der Fall Carroll: Zwei Geschworenengerichte gegen Trump


Carroll hatte Trump vorgeworfen, sie 1996 nach einer zufälligen Begegnung im New Yorker Luxuskaufhaus Bergdorf Goodman in einer Umkleidekabine sexuell missbraucht zu haben. Trump wies die Vorwürfe stets als "erfundenen Betrug" zurück und attackierte Carrolls Motive als politisch gesteuert. Ein erstes Geschworenengericht befand Trump 2023 für haftbar wegen sexuellen Missbrauchs und Verleumdung und sprach Carroll 5 Millionen Dollar zu. Ein zweites Geschworenengericht verurteilte Trump 2024 in einem weiteren Verleumdungsverfahren zu 83,3 Millionen Dollar Schadensersatz – wegen herabwürdigender Äußerungen über Carroll in sozialen Medien. Trump hat gegen beide Urteile Berufung eingelegt und bislang keine Zahlung geleistet. Ein Gerichtseintrag von Anfang Mai 2026 hält fest, dass Trump die Summe nicht zahlen muss, bis der Oberste Gerichtshof der USA die Möglichkeit hatte, den Fall zu prüfen oder die Berufung abzulehnen. Trump musste allerdings eine Sicherheitsleistung von 7,4 Millionen Dollar hinterlegen.


Politische Dimension: Justiz als Waffe?


Die Berichte über die Ermittlungen reihen sich ein in eine Serie von Untersuchungen, die das Justizministerium unter der Trump-Regierung gegen vom Präsidenten als Gegner wahrgenommene Personen eingeleitet hat. Erst im vergangenen Monat war der frühere FBI-Direktor James Comey unter Anklage gestellt worden. Demokraten und ehemalige Justizbeamte warnen seit Monaten, dass eine Institution, die ihre Entscheidungen unabhängig vom Weißen Haus treffen sollte, zunehmend als politische Waffe eingesetzt werde. Das Dementi des Chicagoer Bundesstaatsanwalts wirft nun Fragen auf: Entweder existiert die Untersuchung in anderer Form – etwa bei einer anderen Behörde oder mit anderem Fokus –, oder die ursprünglichen Berichte beruhten auf fehlerhaften Informationen. Die präzisierte Darstellung, wonach nicht Carroll selbst, sondern die sie finanzierende Organisation im Visier der Ermittler steht, deutet auf Letzteres hin. Eine offizielle Bestätigung des Justizministeriums in Washington steht bislang aus.