Die Ermittler melden einen Schlag gegen Cyberkriminelle: Bei einer Razzia in Oranienburg wurde ein Jugendlicher ermittelt, der Mitglied der bundesweit agierenden Hackergruppe „SharkNet“ sein soll. Die Gruppe steht im Verdacht, Internetseiten von Behörden und Unternehmen lahmgelegt und Lösegeld in Bitcoin gefordert zu haben. Insgesamt wurden drei Verdächtige ausgemacht, zwei von ihnen sind Jugendliche.
Nach erpresserischen Cyberattacken auf Behörden und Firmen haben Sicherheitsbehörden einen Jugendlichen aus Oranienburg ins Visier genommen. Er steht im Verdacht, Mitglied der Hackergruppe „SharkNet“ zu sein, die bundesweit Internetseiten von Verwaltungen und Unternehmen lahmgelegt haben soll. Die Razzia in der brandenburgischen Stadt war Teil einer größeren Aktion, bei der insgesamt drei Verdächtige ermittelt wurden [1] [2].
Drei Durchsuchungen, zwei jugendliche Verdächtige
Die Durchsuchungen fanden am vergangenen Donnerstag statt, wie das schleswig-holsteinische Landeskriminalamt am Montag in Kiel mitteilte. Neben Oranienburg in Brandenburg gab es Razzien im schleswig-holsteinischen Kreis Nordfriesland sowie im Bereich Mittelhessen [2] [3]. Bei den Beschuldigten in Schleswig-Holstein und Brandenburg handelt es sich den Angaben zufolge um Jugendliche; das genaue Alter wurde nicht genannt [2].
Die Durchsuchungen dienten nach Behördenangaben in erster Linie der Beschlagnahmung von Beweismitteln. Alle drei Verdächtigen seien angetroffen, nach Ende der Polizeimaßnahmen aber wieder entlassen worden [2] [3]. Örtliche Polizeikräfte waren eingebunden, teils auch Spezialkräfte [3].
DDoS-Angriffe auf Verwaltungen und Konzerne
Die Verdächtigen sollen zu der Gruppe „SharkNet“ gehört haben, die sogenannte DDoS-Überlastungsangriffe auf Internetseiten startete. Dabei wird ein Server gezielt mit so vielen Anfragen überschwemmt, dass er die Menge nicht mehr beantworten kann und damit nicht mehr erreichbar ist [2] [3].
Nach Angaben aus Ermittlungskreisen sollen die Beschuldigten gemeinsam mit weiteren Tätern die Internetseiten verschiedener Stadt- und Kreisverwaltungen, Bundesbehörden, großer Einzelhandelsketten und Telekommunikationsfirmen angegriffen haben [2] [3]. Die Gruppe verfasste zudem ein Bekennerschreiben, in dem sie unter anderem die Zahlung von 30.000 Euro in Bitcoin sowie Medienberichterstattung verlangte. Die Forderungen wurden nicht erfüllt [2] [3].
Ermittlungen laufen seit Januar
Die Staatsanwaltschaft im schleswig-holsteinischen Itzehoe sowie das Landeskriminalamt in Kiel ermitteln seit Januar in dem Fall [2] [3]. Die Razzien am Donnerstag waren der vorläufige Höhepunkt der Ermittlungen gegen die Gruppierung, die nach Einschätzung der Behörden bundesweit aktiv war [1].
Der Fall reiht sich ein in eine Serie von Cyberangriffen auf öffentliche Einrichtungen. Erst vor zwei Wochen war ein erpresserischer Hackerangriff auf das Datennetz der Berliner Verwaltung bekannt geworden, für den nach einem Bericht des Spiegel die Gruppierung Rhysida verantwortlich sein soll [3]. Zu den Forderungen der Täter macht die Landesregierung aus ermittlungstaktischen Gründen weiterhin keine Angaben [3].
Einordnung: Jugendliche als Täter sind kein Einzelfall
Dass hinter Cyberattacken auf Behörden und Konzerne ausgerechnet Jugendliche stecken, ist für Ermittler keine Überraschung. DDoS-Angriffe gelten als vergleichsweise einfach durchführbar, da Angreifer auf verbreitete Werkzeuge und Dienste zurückgreifen können. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe und das LKA Kiel ermitteln seit Januar gegen die Gruppe „SharkNet“ – ein Hinweis darauf, dass die Aufklärung solcher Fälle Zeit in Anspruch nimmt [2] [3].
Ob und wie sich die Vorwürfe gegen die drei Verdächtigen erhärten, bleibt abzuwarten. Die Ermittlungen dauern an, die Beschuldigten gelten bis zu einer etwaigen Verurteilung als unschuldig. Für die betroffenen Verwaltungen und Unternehmen dürfte der Fall dennoch ein Signal sein: Auch vergleichsweise junge Täter können erheblichen Schaden anrichten, wenn sie gezielt gegen öffentliche Infrastruktur vorgehen [1] [2].