Die Trump-Administration hat in Texas ein sechsmonatiges Pilotprojekt gestartet, um Wassersysteme mit Hilfe privater Cyber- und KI-Technologie gegen Angriffe zu härten. „Project Watershed 250" ist der erste Testlauf einer neuen, industriezentrierten Strategie für kritische Infrastruktur – und könnte auf weitere Bundesstaaten ausgeweitet werden.
Die Trump-Administration hat am Montag in San Antonio ein sechsmonatiges Pilotprojekt vorgestellt, das Wassersysteme in Texas mit Hilfe von Cyber- und KI-Werkzeugen privater Technologiekonzerne gegen Angriffe härten soll. Das Programm trägt den Namen „Project Watershed 250" und ist der erste staatliche, industriezentrierte Testlauf, den das Büro des Nationalen Cyber-Direktors seit der Veröffentlichung seiner nationalen Cybersicherheitsstrategie angekündigt hat [1].
Was das Pilotprojekt konkret vorsieht
Das Programm verbindet texanische Wasserversorger mit US-Cybersicherheitsunternehmen, die ihre bestehenden Abwehrmechanismen testen und Schwachstellen beheben sollen. Nationaler Cyber-Direktor Sean Cairncross beschrieb den Ansatz bei der Vorstellung in San Antonio als Kombination aus Red-Teaming, Systemhärtung und KI-gestützten Werkzeugen [1].
„US-Unternehmen stellen erstklassige Cyber-Fähigkeiten bereit, Red Teaming, das die derzeitigen Abwehrmechanismen der Versorger testet, Systemhärtung mit den neuesten privaten Cyber-Tools und KI-Werkzeugen, die den Cyber-Verteidigern an der Front helfen, texanische Wassersysteme zu schützen und bewährte Lösungen landesweit zu skalieren", sagte Cairncross [1].
Das sechsmonatige Programm wird vom Büro des Nationalen Cyber-Direktors und dem Texas Cyber Command überwacht, das erst im vergangenen Jahr gegründet wurde [1]. Zwölf Unternehmen traten bei der Vorstellung auf und warben für ihre Beiträge: Parsons, Microsoft, Fortinet, Google Cloud, Palo Alto Networks, Amazon Web Services, Reflection AI, Cloudflare, Zscaler, Forescout, Abnormal AI und Dragos [1].
Warum Texas im Fokus steht
Texas ist der erste Bundesstaat, der das Programm umsetzt. Gouverneur Greg Abbott begründete die Wahl mit der besonderen Verwundbarkeit vieler ländlicher Versorger [1].
„Die Notwendigkeit von Cyber-Resilienz ist überwältigend. Viele ländliche Versorger haben schlicht nicht die Ressourcen, um sich selbst zu schützen", sagte Abbott [1].
Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Der Wassersektor ist in den vergangenen Monaten Ziel einer Serie von Angriffen geworden. Abbott verwies auf einen mutmaßlich iranisch gestützten Cyberangriff auf 30 Wassersysteme in zwölf Bundesstaaten sowie auf einen Angriff auf das Wassersystem von Muleshoe in Texas im Jahr 2024, hinter dem russische Hacker vermutet werden [1]. Ein Sprecher des Weißen Hauses betonte allerdings, das Programm sei nicht als Reaktion auf die jüngsten Angriffe entstanden, sondern werde bereits seit dem vergangenen Jahr vorbereitet [2].
Ein Kurswechsel gegenüber dem Vorgänger
Das Pilotprojekt markiert einen bewussten Bruch mit dem Ansatz der Biden-Administration. Diese hatte auf verbindliche Prüfauflagen für den Wassersektor gesetzt, die jedoch von mehreren republikanisch geführten Bundesstaaten vor Gericht angefochten wurden und die Umweltbehörde EPA schließlich zum Rückzug ihrer Regelung zwang [1].
„Zu lange hat die Regierung – zumindest auf Bundesebene – das Problem der Cybersicherheit in Wassersystemen nur bewundert", sagte Cairncross. „Wir werden herausfinden, was funktioniert. Darauf werden wir uns konzentrieren, davon lernen und skalieren" [1].
Statt auf Regulierung setzt die Administration nun auf freiwillige Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft. Abbott betonte, das Programm bringe die Cyber-Abwehr von Bund, Staat und Industrie „ohne Kosten" hinter die Versorger [2].
Kritik: „Kein echtes Geld dahinter"
Nicht alle teilen den Optimismus. Ein Cyber-Experte, der an Wasser-Sicherheitsthemen arbeitet und anonym bleiben wollte, bezeichnete das Programm als „alles nur Rauch" und kritisierte, dass „kein echtes Geld dahintersteckt" [1].
„Das Weiße Haus hat getan, was es immer tut – es hat sich mit ausgestreckter Hand an die Industrie gewandt und sie gebeten, Dinge zu bezahlen, die die Regierung zumindest teilweise selbst übernehmen sollte", sagte die Person [1].
Tatsächlich basiert das Programm auf ehrenamtlich bereitgestellter Expertise und Technologie der beteiligten Unternehmen, nicht auf einem eigenen Haushaltstitel. Ob und wie die Initiative nach Ablauf der sechs Monate finanziert und auf weitere Bundesstaaten ausgeweitet wird, ist bislang offen.
Einordnung und Ausblick
„Watershed 250" ist nicht der einzige Vorstoß des Bundes zur Absicherung des Wassersektors. Nach den jüngsten Angriffen haben Gesetzgeber neue Gesetzesinitiativen eingebracht, und auch frühere Kongressbeschlüsse zielten bereits auf das Problem ab [1]. Das Pilotprojekt soll als „Proof of Concept" dienen, das bei Erfolg auf weitere Bundesstaaten übertragen werden könnte [2].
Der Wassersektor gilt seit langem als einer der verwundbarsten Bereiche der kritischen Infrastruktur der USA. Die Frage, ob ein auf Freiwilligkeit und privater Technologie basierendes Modell ohne verbindliche Standards und ohne eigene Finanzierung ausreicht, um die Lücke zu schließen, dürfte sich in den kommenden Monaten entscheiden – und wird mit Blick auf eine mögliche landesweite Ausweitung genau beobachtet werden.