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#derimeter: Hafen von Los Angeles wehrt 120 Millionen Cyberangriffe in einem Monat ab

#derimeter: Hafen von Los Angeles wehrt 120 Millionen Cyberangriffe in einem Monat ab

Containerterminal des Hafens von Los Angeles: Kritische Infrastruktur im Visier von Angreifern (Symbolbild, KI-generiert)

Der Hafen von Los Angeles, der wichtigste Containerhafen der USA, hat im August mehr als 120 Millionen Cyberangriffe abgewehrt. Die Zahl, die Hafenchef Gene Seroka gegenüber Bloomberg Television nannte, illustriert, wie massiv kritische Hafeninfrastruktur unter Dauerbeschuss steht – und wie aufwendig die Verteidigung inzwischen ist.

Der Hafen von Los Angeles, das wichtigste Container-Tor der USA für den Welthandel, hat im August mehr als 120 Millionen Cyberangriffe abgewehrt. Das teilte Executive Director Gene Seroka in einem Interview mit Bloomberg Television mit [1]. Die Angriffe umfassten demnach Einbruchsversuche in Netzwerke, Ausnutzung von Schwachstellen, das Abgreifen von Zugangsdaten (Credential Harvesting) sowie Malware-Attacken [1] [2].


Die Zahl ist bemerkenswert – nicht nur wegen ihrer Größenordnung, sondern weil sie zeigt, wie sehr sich die Bedrohungslage für Häfen in den vergangenen Jahren verschärft hat. Noch 2022 sprach Seroka gegenüber der BBC von rund 40 Millionen Angriffen pro Monat [3]. Die Zahl hat sich seither verdreifacht.


Wie die Zahl zustande kommt


Die 120 Millionen Angriffe sind keine einzelnen, manuell gesteuerten Hackerangriffe, sondern die Summe aller automatisierten und gezielten Zugriffsversuche, die die Sicherheitssysteme des Hafens im August registriert und blockiert haben. Dazu zählen neben klassischen Einbruchsversuchen auch automatisierte Scans, Phishing-Kampagnen und Versuche, gestohlene Zugangsdaten einzusetzen [1] [2].


Seroka betonte, dass die Verteidigung nicht allein beim Hafen liege. Ein Cybersicherheits-Team des Hafens arbeite in einer Koalition mit Unternehmen des privaten Sektors und bilde eine siebenstufige digitale Verteidigungslinie um den Betrieb [1] [2]. Die genaue technische Zusammensetzung dieser Schichten – etwa Firewalls, Intrusion-Detection-Systeme, Endpoint-Schutz oder Zugriffskontrollen – nannte er nicht.


„Die Angreifer müssen nur ein einziges Mal Erfolg haben“, sagte Seroka. „Diese Gefahr haben wir jeden Tag vor Augen.“ [1] [2]


Bedrohungslage: Häfen als strategisches Ziel


Die Zahlen des Hafens von Los Angeles stehen in einem größeren Kontext. Serokas Äußerungen kamen, nachdem US-Behörden bekannt gegeben hatten, dass amerikanische Regierungsstellen Cyberbedrohungen gegen fast 20 Schiffe weltweit verfolgen [1] [2]. Die Küstenwache und das FBI hatten zuvor Ermittlungen zu mutmaßlichen Cyberangriffen auf Schiffe aufgenommen, die in US-Gewässer einliefen [4].


Angriffe auf den maritimen Sektor haben in den vergangenen Jahren zugenommen, weil Schiffe und Häfen zunehmend von digitalen Systemen für Navigation, Kommunikation und Betrieb abhängig sind [1] [2]. Häfen sind für Angreifer aus mehreren Gründen attraktiv: Sie bewegen Milliardenwerte an Gütern, sind systemrelevant für die Wirtschaft und bieten mit ihren vielen Schnittstellen – von Reedereien über Terminalbetreiber bis zu Zollsystemen – eine große Angriffsfläche [3].


Bereits 2022 sagte Seroka der BBC, die Bedrohungen kämen nach Erkenntnissen der Geheimdienste vor allem aus Russland und Teilen Europas und zielten darauf ab, die US-Wirtschaft zu stören [3]. Ob diese Einschätzung weiterhin gilt, ließ er in dem jüngsten Interview offen.


Wie sich der Hafen schützt


Der Hafen von Los Angeles hat seine Cybersicherheit in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut. Seit 2015 betreibt er ein Cyber Operations Security Centre, das Teil des FBI-Cyberwatch-Netzwerks ist [3]. Zudem investierte der Hafen Millionenbeträge und entwickelte eines der weltweit ersten Cyber Resilience Centres [3] [5].


Dieses Zentrum dient als zentrale Anlaufstelle, um Bedrohungsinformationen zu empfangen, zu analysieren und mit den Akteuren im Hafen – etwa Frachtabfertigern und Reedereien – zu teilen [3] [5]. Der Ansatz ist bewusst kooperativ: Weil ein Hafen ein Ökosystem aus vielen Beteiligten ist, greift reiner Eigenschutz zu kurz. Die siebenstufige Verteidigung, von der Seroka sprach, bindet deshalb auch private Partner ein [1] [2].


Einordnung: Zwischen Rekordfracht und Dauerbeschuss


Die Cyberzahlen fallen in eine Phase, in der der Hafen wirtschaftlich stark unterwegs ist. Im Zeitraum Juni bis August verzeichnete er das geschäftigste Quartal seiner Geschichte [1] [2]. Seroka rechnet wegen der Einschränkungen im Panamakanal, die Fracht an die US-Westküste umleiten, mit einem weiteren Anstieg der Volumina um fünf bis zehn Prozent [1] [2].


Gleichzeitig verschieben sich die Handelsströme: Der Anteil Chinas am Frachtaufkommen des Hafens ist von 60 auf 40 Prozent gesunken, während das Geschäft mit Vietnam sich innerhalb eines Jahrzehnts vervierfacht hat [1] [2].


Die Kombination aus Rekordfracht und Dauerbeschuss macht die Lage für den Hafen heikel. Ein erfolgreicher Angriff auf die IT-Systeme könnte den Betrieb stören und Lieferketten ins Stocken bringen – genau das, was Angreifer laut Seroka bezwecken. Dass der Hafen die Zahl der abgewehrten Angriffe öffentlich macht, ist dabei auch ein Signal: an die Angreifer, aber ebenso an Kunden und Behörden, dass die Verteidigung ernst genommen wird.


Ob die Zahl der Angriffe weiter steigt oder ob es sich um eine temporäre Spitze handelt, ist offen. Marktbeobachter rechnen angesichts der zunehmenden Digitalisierung der Schifffahrt und der geopolitischen Spannungen mit einer anhaltend hohen Bedrohungslage für Häfen weltweit [4]. Für den Hafen von Los Angeles gilt, was Seroka selbst auf den Punkt brachte: Die Angreifer müssen nur einmal erfolgreich sein – die Verteidiger müssen es jeden Tag sein.