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#derimeter: Prorussische Hacker erklären Norwegen den Cyberkrieg

#derimeter: Prorussische Hacker erklären Norwegen den Cyberkrieg

Die prorussische Hackergruppe Server Killers reklamiert einen groß angelegten DDoS-Angriff auf zentrale Dienste der norwegischen Digitalisierungsbehörde Digdir für sich.

Seit Montag überlastet die prorussische Hackergruppe Server Killers nach eigenen Angaben zentrale Onlinedienste der norwegischen Behörden. Die Digitalisierungsagentur Digdir spricht vom größten Angriff auf ihre Lösungen, die Systeme blieben aber weitgehend verfügbar. Der Fall ist ein digitaler Stresstest mit geopolitischer Botschaft.

Die prorussische Hackergruppe Server Killers hat einen groß angelegten Cyberangriff auf digitale Dienste der norwegischen Behörden für sich reklamiert und Norwegen den „Cyberkrieg" erklärt. Die Angriffe dauern nach Angaben der staatlichen Digitalisierungsbehörde Digdir seit Montag an. „Es ist der größte Angriff auf Digdir-Lösungen, den wir je erlebt haben", sagte Behördensprecher Are Kvistad der Nachrichtenagentur AP [1].


Der Angriff auf die Nervenbahn des Staates


Bei den sogenannten Denial-of-Service-Angriffen (DDoS) wurden die Systeme gezielt mit enormen Datenmengen überlastet. Der Angriff begann am Montag, dem 24. August, um 3:38 Uhr MESZ und richtete sich gegen die Infrastruktur, die Digdir gemeinsam mit ihrem Dienstleister Vivicta betreibt [2] [4]. Betroffen war unter anderem ein Bürgerdienst; nach Angaben von Digdir gelang es, die Dienste praktisch durchgehend verfügbar zu halten [1].


Die Bedeutung des Ziels geht über einen gewöhnlichen Website-Ausfall hinaus. Digdir ist die norwegische Digitalisierungsagentur, die die digitale Transformation des öffentlichen Sektors koordiniert und zentrale IT-Infrastrukturen verwaltet [1]. Zu den betroffenen Diensten zählen die elektronischen Identifikationssysteme ID-porten und MinID, das Portal Altinn für die Kommunikation zwischen Bürgern, Unternehmen und Staat sowie digitale Postdienste [3] [4]. Insgesamt waren zeitweise rund zehn Dienste betroffen [3].


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Der Angriff dauerte mehr als 30 Stunden an [2]. Weil viele Behördenangebote auf die gemeinsame Anmelde- und Datenaustauschschicht angewiesen sind, wirkten die Störungen auch auf Dienste, die selbst nicht direkt attackiert wurden [4]. Digdir-Direktor Frode Danielsen betonte, es gebe keine Anzeichen dafür, dass der Angriff zu einer Sicherheitsverletzung geführt habe oder personenbezogene Daten in falsche Hände geraten seien [2] [4].


Die Reaktion der Behörden


Digdir teilte mit, die Systeme seien stabilisiert worden; es könne aber weiterhin zu Verbindungsabbrüchen, langsamen Serverreaktionen und ungewöhnlich langen Anmeldezeiten kommen [2]. Die Behörde arbeitete nach eigenen Angaben eng mit dem Subunternehmer Vivicta zusammen und informierte die nationale Sicherheitsbehörde NSM sowie die Datenschutzbehörde Datatilsynet [4].


Die norwegische Kriminalpolizei Kripos hat Ermittlungen aufgenommen, der Polizeisicherheitsdienst PST beobachtet die Lage und steht im Austausch mit anderen Behörden [3]. Zu dem Bekennerschreiben der Gruppe äußerten sich die norwegischen Behörden zunächst nicht [1]. Eine unabhängige Bestätigung, dass Server Killers tatsächlich hinter dem Angriff steckt, gibt es bislang nicht [3].


Der politische Subtext: Norwegens Ukraine-Kurs


Die Gruppe begründete den Angriff in einem Beitrag auf ihrem Telegram-Kanal mit der Unterstützung Norwegens für die Ukraine [3]. Sie verwies dabei auf ein neues Verteidigungs- und Sicherheitsabkommen, das Oslo und Kyjiw am 23. August unterzeichnet hatten [3]. Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre hatte bei einem Besuch in Kyjiw angekündigt, die Ukraine auch im kommenden Jahr mit 85 Milliarden norwegischen Kronen (etwa 7,8 Milliarden Euro) zu unterstützen. Zudem vereinbarten beide Länder eine engere Zusammenarbeit bei Drohnentechnologie und anderen Formen moderner Kriegsführung [1].


Damit kippt der Vorfall vom reinen IT-Problem zur hybriden Machtdemonstration: Digitale Infrastruktur wird zur Bühne internationaler Konflikte. Zugleich warnt die heise-Redaktion davor, die Urheberschaft vorschnell festzulegen. Eine offizielle Zuordnung gibt es nicht; norwegische Medien spekulieren über eine mögliche russische Beteiligung [2]. Der Sicherheitsforscher Aristidis Kaloudis von der NTNU in Gjøvik verwies gegenüber der Zeitung Verdens Gang auf das Ausmaß und die Ressourcen, die für solche Angriffe nötig seien – es könne Russland dahinterstecken, aber auch ein Lösegeldmotiv [2].


Ein Muster mit Vorgeschichte


Neu ist das Muster nicht. Es ist bereits der dritte DDoS-Angriff auf Digdir-Lösungen innerhalb kurzer Zeit, nach einem Angriff im Juni und einem weiteren am 3. August [2] [4]. Der aktuelle Angriff sei zwei- bis dreimal so groß wie der vorherige, erklärte ein Digdir-Sprecher gegenüber der norwegischen Nachrichtenagentur NTB [2].


Server Killers ist seit 2023 aktiv und hat zuvor Angriffe auf Websites in Dänemark, Großbritannien, Rumänien und Kanada für sich reklamiert. Die Gruppe wird mit der prorussischen Hackergruppe NoName057(16) in Verbindung gebracht [3]. Bereits 2025 hatten norwegische Behörden russische Hacker hinter einem mutmaßlichen Sabotageakt vermutet: Damals verschafften sich Angreifer Zugang zu einem digitalen Steuerungssystem und öffneten eines der Ventile an einem Staudamm, wodurch der Wasserfluss erhöht wurde. Laut Polizeiangaben wurde anschließend auf Telegram ein Video der Steuerung mit dem Erkennungszeichen einer prorussischen Cyberkriminellengruppe veröffentlicht [1].


Einordnung


Der Fall zeigt, wie verwundbar moderne Verwaltungen an ihrer gemeinsamen digitalen Basis sind. Ein Angriff auf die zentrale Anmelde- und Datenaustauschschicht kann Störungen in Diensten auslösen, die selbst gar nicht attackiert werden [4]. DDoS-Angriffe gelten im Vergleich zu Angriffen mit Datendiebstahl als weniger schwerwiegend, doch die wiederholten Attacken erzeugen operative Reibung: Verteidiger müssen Filterregeln und Schutzmaßnahmen ständig anpassen, während Bürger und Unternehmen auf dieselbe Infrastruktur angewiesen bleiben [4].


Ob die Attacke tatsächlich auf Server Killers zurückgeht und ob dahinter staatliche Akteure stehen, ist offen. Die Ermittlungen zur Identifizierung der Verantwortlichen dürften nach Einschätzung von Experten viel Zeit in Anspruch nehmen [2]. Klar ist bislang vor allem eines: Die Verfügbarkeit öffentlicher Dienste ist längst selbst zum Ziel geopolitischer Auseinandersetzungen geworden.