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#derimeter: Israelischer IT-Sicherheitsmanager soll 26 Firmen ausspioniert haben

#derimeter: Israelischer IT-Sicherheitsmanager soll 26 Firmen ausspioniert haben

Ein mutmaßlicher Insider-Angriff: Der Fall eines israelischen IT-Sicherheitsmanagers (Symbolbild)

Ein israelischer IT-Sicherheitsmanager steht im Zentrum eines der größten Insider-Fälle des Landes: Die Staatsanwaltschaft wirft dem 43-jährigen Mikhael Bar aus Aschkelon vor, über Jahre hinweg mindestens 26 Unternehmen infiltriert, Passwörter gestohlen und aus der Ferne Webcams aktiviert zu haben. Der Fall zeigt, wie ein Mann mit privilegiertem Zugriff seine Position missbraucht haben soll.

Die israelische Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen einen IT-Sicherheitsmanager erhoben, der über Jahre hinweg Unternehmen ausspioniert haben soll. Nach Angaben von Cybersicherheitsanalysten, die sich auf die Anklageschrift stützen, soll der 43-jährige Mikhael Bar aus Aschkelon mindestens 26 Firmen infiltriert, Passwörter gestohlen und aus der Ferne Webcams aktiviert haben [3]. Der Fall gilt als besonders brisant, weil der mutmaßliche Täter selbst im Sicherheitsbereich arbeitete.


Ein Sicherheitsprofi als mutmaßlicher Täter


Die Festnahme erfolgte am 18. August 2026 durch Ermittler der Cyber-Einheit von Lahav 433, einer Sondereinheit der israelischen Polizei [1] [2]. Der Mann in den 40ern wurde in seiner Wohnung in Aschkelon festgenommen; die Beamten durchsuchten sein Haus, beschlagnahmten Computerausrüstung und durchsuchten auch mehrere Unternehmen [1] [2].


Nach Angaben der Polizei begann die Ermittlung, nachdem Hinweise auf gehackte Computer in einer kleinen Zahl von Unternehmen aufgetaucht waren. Im Rahmen einer verdeckten Untersuchung weitete sich der Fall nach und nach auf weitere Firmen aus [1]. Ein mit dem Fall vertrauter Insider beschrieb den Verdächtigen gegenüber Calcalist als Einzeltäter: "Das ist ein Hacker, der allein handelte, mit niemandem verbunden war und keine Vorstrafen hatte" [1]. Ein Motiv war zunächst nicht erkennbar; Hinweise auf Erpressung der betroffenen Firmen lagen nach Angaben der Ermittler zum Zeitpunkt der Festnahme nicht vor [1].


Die Vorwürfe im Detail


Die Anklage, die nach Angaben von Cybersicherheitsanalysten Anfang September 2026 eingereicht wurde, wirft Bar eine mehrjährige Spionagekampagne vor [3]. Demnach soll er als Information-Security-Manager über privilegierte Zugriffe und vertraute Zugangsdaten verfügt haben, die er für die Angriffe nutzte [3].


Zu den zentralen Vorwürfen zählen:


  • Unbefugter Zugriff auf Computersysteme und Manipulation von Programmen [3]

  • Illegales Abhören und Verletzung der Privatsphäre [3]

  • Sabotage von Computersystemen [3]

  • Aktivierung von Webcams aus der Ferne: Der Beschuldigte soll kompromittierte Endgeräte genutzt haben, um Kameras heimlich zu aktivieren und Personen – darunter Frauen und kleine Kinder in intimen Situationen – zu beobachten und aufzuzeichnen [3]


Die Polizei hatte die mutmaßlichen Straftaten bereits bei der Festnahme unter dem israelischen Computergesetz sowie als illegales Abhören, Verletzung der Privatsphäre und Erschleichung von Vorteilen eingeordnet [1] [2].


Wie die Infiltrationen abliefen


Nach den Analysen der Cybersicherheitsfirmen soll Bar maßgeschneiderte Schadsoftware eingesetzt haben, die darauf ausgelegt war, herkömmliche Signatur-basierte Erkennung zu umgehen [3]. Berichten zufolge soll er dabei auch KI-Werkzeuge genutzt haben, um Code zu entwickeln, Verschleierungsroutinen zu erzeugen und den Fernzugriff auf Unternehmensnetzwerke aufrechtzuerhalten [3].


Eine weitere Analyse von Code Blue Cyber beschreibt eine Kampagne mit einer als "WindowsAudit" bezeichneten Fernzugriffs-Software, die gegen mindestens 25 israelische Organisationen eingesetzt worden sein soll [4]. Demnach soll der Angreifer in einigen Netzwerken Domain-Administrator-Rechte erlangt haben – eine Zugriffsebene, die grundsätzlich auch für Ransomware-Angriffe ausgereicht hätte [4]. Die Software soll über Discord als primären Kommando-Kanal, MQTT als Backup und Telegram als dritten Kanal gesteuert worden sein und unter anderem Passwort-Diebstahl, Keylogging und Manipulation des Active Directory ermöglicht haben [4].


Ein bemerkenswertes Detail: Ein Verschlüsselungsfehler – unverschlüsselte Discord-Tokens – soll es Sicherheitsforschern ermöglicht haben, die Infrastruktur des Angreifers zu kartieren und Verbindungen zu einzelnen Organisationen nachzuweisen [4].


Konsequenzen und Einordnung


Nach der Festnahme ordnete das Amtsgericht Rischon LeZion die Untersuchungshaft an; die Haft wurde zunächst bis zum 23. August 2026 verlängert [1] [2]. Auf Antrag des Verteidigers wurde eine Nachrichtensperre über den Namen des Beschuldigten verhängt [1] [2]. Der Fall wird von der Cyber-Abteilung der Staatsanwaltschaft betreut [1] [2]. Die Namen der betroffenen Unternehmen wurden bislang nicht veröffentlicht [1].


Der Fall ist für die Cybersicherheitsbranche von besonderer Bedeutung, weil er die Gefahr durch privilegierte Insider verdeutlicht: Sicherheitsverantwortliche und Systemadministratoren besitzen tiefe Einblicke in die Abwehrarchitektur ihrer Arbeitgeber, was böswillige Handlungen mit herkömmlichen Kontrollen schwer erkennbar macht [3]. Analysten verweisen zudem auf die zunehmende Nutzung generativer KI durch Insider, um maßgeschneiderte Schadsoftware schneller zu entwickeln [3].


Ob sich die Vorwürfe vor Gericht bestätigen, bleibt abzuwarten. Der Beschuldigte gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig. Die Ermittlungen dauern an; die Behörden haben den vollen Umfang der mutmaßlich gestohlenen Daten bislang nicht beziffert [1].