Die International Meteor Organization (IMO) ist Opfer eines Cyberangriffs geworden, der einen Großteil ihrer Website und Dienste lahmgelegt hat. Die in Belgien ansässige Non-Profit-Organisation rechnet mit mehreren Wochen teilweisen Ausfalls, während sie ihre Infrastruktur neu aufbaut – die Meldung von Feuerball-Sichtungen ist bereits wieder möglich.
Die International Meteor Organization (IMO) beobachtet wieder Feuerbälle – doch ein Großteil ihrer Website bleibt nach einem Cyberangriff offline. Die in Belgien ansässige Non-Profit-Organisation, die weltweit Amateur- und Berufsastronomen bei der Beobachtung von Meteoren koordiniert, spricht von einem „kritischen Schlag" gegen ihre alternde Infrastruktur und rechnet mit mehreren Wochen teilweisen Ausfalls [1].
Besucher der Website imo.net empfängt derzeit eine reduzierte Hinweisseite, die den Ausfall erklärt. „Wir haben kürzlich einen Cyberangriff erlitten, der einen kritischen Schlag gegen die alternde Infrastruktur bedeutete und einen Großteil unserer Website offline nahm", heißt es dort. „Wir erwarten mehrere Wochen teilweisen Ausfalls, während wir zu neuer Infrastruktur und neuen Diensten übergehen" [2].
Feuerball-Meldung hat Priorität
Die IMO sammelt Meldungen von Menschen, die ungewöhnlich helle Meteore – sogenannte Feuerbälle – am Himmel beobachten, und nutzt diese Beobachtungen, um Ereignisse zu dokumentieren und auszuwerten. Nach dem Angriff habe die Organisation die Wiederherstellung dieser Funktion priorisiert, wie sie mitteilt: „Wir haben die Feuerball-Meldung priorisiert, und sie ist wieder verfügbar. Wenn Sie einen Feuerball oder ein helles Licht am Himmel gesehen haben, können Sie Ihre Beobachtung weiterhin einreichen" [1] [2].
Andere Teile der Website bleiben dagegen unerreichbar, während die Organisation ihre Infrastruktur neu aufbaut. Dass die IMO von einem Prozess spricht, der mehrere Wochen dauern wird, deutet darauf hin, dass es sich um mehr handelt als um die bloße Wiederherstellung eines kompromittierten Webservers – auch wenn die Organisation das Ausmaß der Schäden bislang nicht offengelegt hat [1].
Offene Fragen zu Daten und Tätern
Der Vorfall wirft Fragen zu den Daten auf, die auf den betroffenen Systemen gespeichert waren. Die IMO betreibt Dienste, die von Meteorbeobachtern und Mitgliedern auf der ganzen Welt genutzt werden, hat aber bislang nicht mitgeteilt, ob Informationen von Nutzern oder Beitragenden während des Angriffs offengelegt wurden [1].
Die Organisation hat weder bekannt gegeben, wann der Angriff stattfand, wie die Angreifer Zugang erlangten, noch ob Daten eingesehen oder verschlüsselt wurden. The Register hat die IMO zu diesen Punkten befragt – wann der Angriff erfolgte, welche Systeme betroffen waren, ob Daten kompromittiert wurden und ob die Verantwortlichen identifiziert werden konnten –, hat aber bislang keine Antwort erhalten [1].
Ein Nischenziel mit globaler Reichweite
Der Angriff auf die IMO ist ein Beispiel dafür, dass auch kleine wissenschaftliche Non-Profit-Organisationen ins Visier von Angreifern geraten. Die 1988 gegründete Organisation bündelt die Arbeit von Hobby- und Profiastronomen weltweit und betreibt unter anderem Datenbanken und Meldeportale, die für die Meteorforschung von Bedeutung sind. Ein längerer Ausfall dieser Dienste kann die Dokumentation aktueller Ereignisse verzögern – etwa bei Meteorströmen oder ungewöhnlich hellen Feuerbällen, deren Beobachtungen zeitnah erfasst werden müssen.
Wie lange die IMO für den vollständigen Wiederaufbau benötigt und ob dabei Nutzerdaten betroffen sind, bleibt vorerst offen. Die Organisation kündigt an, ihre Seite werde aktualisiert, sobald weitere Dienste wieder online kommen [2]. Marktbeobachter und Sicherheitsexperten dürften den Fall zugleich als Hinweis darauf werten, dass auch gemeinnützige Organisationen mit begrenzten IT-Budgets zunehmend zum Ziel von Cyberangriffen werden – und dass alternde Infrastruktur dabei ein erheblicher Risikofaktor ist.