Der bundesweit tätige Dienstleister Enseco, der unter anderem für die EVI Hildesheim Stromzähler austauscht, ist im Juni Opfer eines Cyberangriffs geworden. Dabei könnten auch Daten von Hildesheimer Stromkunden abgeflossen sein. Was bislang bekannt ist, wie die EVI reagiert und welche Folgen der Datenklau für Betroffene haben könnte.
Der Cyberangriff auf den bundesweit tätigen Zähler-Dienstleister Enseco weitet sich zu einem der größten Datenabflüsse in der deutschen Energiewirtschaft aus. Das Unternehmen, das unter anderem für die EVI Hildesheim Stromzähler montiert, war nach Angaben mehrerer Netzbetreiber im Juni Ziel eines Hackerangriffs geworden. Nun warnen immer mehr Versorger ihre Kundinnen und Kunden – auch in Hildesheim [1].
Was bislang über den Angriff bekannt ist
Enseco ist ein bundesweit aktiver Dienstleister, der für große Netzbetreiber unter anderem die Montage von Stromzählern und intelligenten Messsystemen (Smart Metern) übernimmt. Zu den Kunden zählen neben der EVI Hildesheim unter anderem Stromnetz Berlin, die Hamburger Energienetze, die EWR Netz in Worms sowie Netze BW und Stuttgart Netze [1] [2].
Der Angriff ereignete sich nach Angaben von Stromnetz Berlin im Juni [2]. Die betroffenen Versorger reagierten unterschiedlich: Die EWR Netz GmbH trennte nach eigenen Angaben sofort alle technischen Verbindungen zu Enseco, um die eigenen Systeme und Kundendaten zu schützen [3]. Stromnetz Berlin informierte rund 135.000 Kundinnen und Kunden im gesamten Stadtgebiet über den Datenschutzvorfall [2]. Bei den Hamburger Energienetzen könnten nach Angaben des Senats bis zu 117.050 Kundinnen und Kunden betroffen sein [4].
Welche Daten abgeflossen sein könnten
Nach Darstellung von Stromnetz Berlin unterstützt Enseco das Unternehmen bei der Montage von Stromzählern. Im Zuge des Angriffs könnten Unbefugte auf Daten zugegriffen haben, die im Zusammenhang mit Terminabsprachen und der Dokumentation von Zählermontagen verarbeitet wurden [2].
Zu den möglicherweise abgeflossenen Daten zählen laut dem Schreiben an die Betroffenen Name und Anschrift, Kommunikationsinhalte rund um Terminvereinbarungen, die Stromzählernummer, Fotos vom Stromzähler sowie der jeweilige Zählerstand [2].
Nicht betroffen seien nach aktuellem Stand besonders sensible Informationen: Weder Verbrauchsdaten noch Bank- oder Zahlungsdaten sowie Zugangsdaten seien kompromittiert worden, teilte Stromnetz Berlin mit [2]. Diese Einschätzung dürfte auch für die EVI Hildesheim gelten, die nach Angaben der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung mit Enseco zusammenarbeitet [1].
Wie die EVI Hildesheim reagiert
Die EVI Hildesheim bestätigte gegenüber der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung, dass Enseco für das Unternehmen tätig ist – unter anderem beim Austausch von Stromzählern [1]. Wie die EVI im Einzelnen auf den Vorfall reagiert, etwa ob sie die Verbindungen zu Enseco ebenfalls getrennt hat, war zum Zeitpunkt der Recherche nicht abschließend geklärt. Die Hildesheimer Allgemeine berichtete am 24. August 2026 über den Vorfall und die möglichen Folgen für Hildesheimer Stromkunden [1].
Welche Folgen der Datenklau für Betroffene haben könnte
Die Versorger warnen vorsorglich vor möglichen Betrugsversuchen. Auch wenn es derzeit keine Hinweise gebe, dass die Daten veröffentlicht, weitergegeben oder missbräuchlich verwendet wurden, lasse sich ein künftiger Missbrauch nicht vollständig ausschließen, teilte Stromnetz Berlin mit [2].
Betroffene sollten deshalb aufmerksam bei verdächtigen Kontaktaufnahmen sein. Die Unternehmen weisen darauf hin, dass beauftragte Monteurinnen und Monteure sich grundsätzlich mit einem Dienstausweis ausweisen. Betroffene sollten sich nicht unter Druck setzen lassen und bei Zweifeln die Identität von Anrufenden oder Besuchenden über die offiziellen Kontaktwege des Unternehmens überprüfen. Bei verdächtigen Vorfällen rät Stromnetz Berlin dazu, gegebenenfalls die Polizei einzuschalten [2].
Ein wachsendes Sicherheitsproblem in der Lieferkette
Der Fall Enseco ist kein Einzelfall. Fachleute sehen in den Angriffen auf Montageunternehmen von intelligenten Stromzählern ein wachsendes Sicherheitsproblem in der Lieferkette von Energieunternehmen. Denn für die Zulieferer gelten geringere Auflagen als für die Unternehmen der kritischen Infrastruktur selbst [5]. Die Digitalisierung der Energiewende – etwa der flächendeckende Rollout von Smart Metern, der in Deutschland bis 2032 abgeschlossen sein soll – vergrößert die Angriffsfläche [3].
Für die betroffenen Kundinnen und Kunden bleibt zunächst vor allem eines wichtig: Ruhe bewahren, verdächtige Kontaktaufnahmen kritisch prüfen und im Zweifel die offiziellen Kanäle des jeweiligen Versorgers nutzen. Ob und in welchem Umfang die Daten tatsächlich missbräuchlich verwendet werden, lässt sich derzeit nicht absehen.