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#derimeter: Cyberangriff auf Boston Scientific: Medizintechnik-Konzern meldet weltweite Störungen

#derimeter: Cyberangriff auf Boston Scientific: Medizintechnik-Konzern meldet weltweite Störungen

Der Cyberangriff auf Boston Scientific stört die weltweite Auftragsabwicklung (Symbolbild)

Der US-Medizintechnikhersteller Boston Scientific ist Ziel eines Cyberangriffs geworden. Der am 25. August entdeckte Vorfall stört den weltweiten Geschäftsbetrieb des Konzerns, der Herzschrittmacher, Katheter und andere medizinische Ausrüstung herstellt – betroffen sind unter anderem die Bearbeitung und der Versand von Kundenbestellungen. Ein Zeitplan für die vollständige Wiederherstellung der Systeme steht bislang nicht fest.

Der im US-Bundesstaat Massachusetts ansässige Medizintechnikkonzern Boston Scientific ist Ziel eines Cyberangriffs geworden. Das Unternehmen bestätigte den Vorfall in einer Meldung an die US-Börsenaufsicht SEC sowie in einer öffentlichen Stellungnahme: Der Angriff wurde am 25. August festgestellt und verursacht seitdem eine „globale Störung“ der operativen Tätigkeit [1] [2]. Betroffen sind bestimmte Informationssysteme und Geschäftsanwendungen, darunter die Systeme zur Bearbeitung und zum Versand von Kundenbestellungen [1].


Boston Scientific zählt zu den größten Medizintechnikherstellern der Welt. Das Unternehmen ist eigenen Angaben zufolge in 127 Ländern mit Standorten vertreten, beschäftigt rund 59.000 Mitarbeiter und erzielte 2025 einen Nettoumsatz von mehr als 20 Milliarden US-Dollar. Jährlich versorgt der Konzern nach eigener Schätzung mehr als 48 Millionen Patienten [1] [3]. Zum Produktportfolio gehören Herzschrittmacher, Herzklappensysteme, Defibrillatoren, Schwellkörperimplantate, Visualisierungssysteme sowie medizinische Werkzeuge wie Zangen, Kanülen, Katheter und Führungsdrähte [1].


Lieferprobleme und betroffene Geschäftsbereiche


Die konkreten Auswirkungen des Angriffs sind bislang nur teilweise bekannt. Boston Scientific erklärte, dass verschiedene Geschäftsbereiche betroffen seien, darunter die Bearbeitung und der Versand von Kundenbestellungen [1]. Ob die Störung auch Patienten mit bereits implantierten Geräten betrifft, ließ das Unternehmen auf Nachfrage offen [2].


An den irischen Standorten des Konzerns sind die Folgen unmittelbar spürbar. Boston Scientific beschäftigt in Irland mehr als 7.000 Mitarbeiter an drei Standorten in Cork, Clonmel und Galway [3]. Am Werk an der Model Farm Road in Cork, das rund 1.200 Beschäftigte zählt und seit 1997 besteht, wurden Mitarbeiter der Tagschicht am Dienstag bereits um 14 Uhr mit vollem Lohn nach Hause geschickt; Vertragsmitarbeiter der Abendschicht erhielten vier Stunden Lohn [3]. In einer E-Mail an die Belegschaft, die um 4 Uhr morgens verschickt wurde, teilte die Chief Information Officer Catherine Stoessel mit, dass die Wiederherstellung in Phasen erfolge und Standorte nach betrieblichem Bedarf priorisiert würden. Mitarbeiter, die von zu Hause arbeiten könnten, sollten dies tun [3].


Unklare Täterlage und Datenschutzfragen


Wer hinter dem Angriff steckt, ob Daten ausgeleitet wurden und wie die Angreifer in die Systeme eindringen konnten, ist bisher nicht bekannt [1]. Boston Scientific äußerte sich weder zur Natur des Vorfalls noch dazu, ob Kundendaten abgeflossen sind [2]. Das Unternehmen teilte lediglich mit, externe Cybersicherheitsexperten hinzugezogen zu haben, die die Untersuchung unterstützen und bei der Bewertung und Eindämmung der Bedrohung helfen sollen [1].


Die vollständigen betrieblichen und finanziellen Auswirkungen des Vorfalls seien noch nicht einschätzbar, hieß es in der SEC-Meldung [1]. An der Börse reagierten Anleger dennoch: Die Aktie fiel vor Handelsbeginn um 3,5 Prozent [3].


Einordnung: Medizintechnik im Visier von Angreifern


Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Cyberangriffen auf Gesundheits- und Medizintechnikunternehmen in diesem Jahr ein. Bereits zuvor waren die Medizintechnikhersteller Abbott Laboratories und Medtronic Ziel von Angriffen geworden [2]. Im März 2026 wurde der Konzern Stryker, der ebenfalls in Cork ansässig ist, von einem mutmaßlich iranisch unterstützten Angriff getroffen, bei dem Angreifer über ein zentrales Geräteverwaltungsportal von Microsoft zehntausende Mitarbeitergeräte aus der Ferne gelöscht haben sollen [2].


Nach öffentlich zugänglichen Internet-Registrierungsdaten stützt sich Boston Scientific für seine Unternehmensinfrastruktur überwiegend auf Microsoft und Amazon Web Services [2]. Angesichts der zentralen Rolle von Medizintechnik für die Gesundheitsversorgung dürfte der Fall die Debatte über die Widerstandsfähigkeit kritischer Infrastruktur weiter anheizen. Solange weder Täter noch Umfang des Datendiebstahls bekannt sind, bleibt abzuwarten, ob der Angriff über die unmittelbaren Lieferstörungen hinaus langfristige Folgen für den Konzern und seine Kunden hat.