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#derimeter: Betrug als Bankvertreter: 1,6 Millionen Dollar von Kirchenkonto gestohlen

#derimeter: Betrug als Bankvertreter: 1,6 Millionen Dollar von Kirchenkonto gestohlen

Online-Banking-Betrug: Kriminelle erbeuteten über 1,6 Millionen Dollar von der New England Conference (Foto: Mike DuBose, UMNS)

Kriminelle haben sich als Bankvertreter ausgegeben und mehr als 1,6 Millionen US-Dollar vom Betriebskonto der New England Conference der United Methodist Church gestohlen. Der Vorfall vom 5. August wird von FBI und Secret Service untersucht; rund 200.000 Dollar konnten bislang zurückgeholt werden.

Die New England Conference der United Methodist Church (UMC) ist Opfer eines schweren Cyberbetrugs geworden. Kriminelle verschafften sich Zugang zum Online-Banking der Regionalkirche und führten Dutzende Überweisungen ins Ausland aus. Nach Angaben von Bischof Thomas J. Bickerton wurden dabei mehr als 1,6 Millionen US-Dollar vom Betriebskonto der Konferenz abgezogen [1].


Der Vorfall ereignete sich am 5. August. Die Täter gaben sich gegenüber den Mitarbeitern als Bankvertreter aus und erlangten so Zugang zum Online-Bankingsystem der Konferenz [1]. Anschließend führten sie mehrere Überweisungen von Kirchengeld auf Konten in verschiedenen Ländern durch [1].


Wie die Täter vorgingen


Die genaue Vorgehensweise beschrieb Lonnie Chafin, Schatzmeister der New England und der New York Conference, gegenüber anderen Kirchenschatzmeistern: Die als Bankvertreter getarnten Kriminellen verschafften sich Zugang, indem sie ein falsches Gefühl von Krise erzeugten [2]. Diese Taktik – eine künstlich erzeugte Dringlichkeit, um Mitarbeiter zu unbedachten Handlungen zu bewegen – ist ein klassisches Muster des sogenannten Social Engineering.


Insgesamt versuchten die Täter nach Chafins Angaben 40 Überweisungen von einem einzigen Kirchenkonto aus. Jede einzelne Transaktion lag knapp unter 50.000 Dollar – dem Limit, das die Konferenz in ihrem Bankensystem festgelegt hatte. Die Bank stoppte acht dieser Transaktionen, 32 gingen jedoch durch und verursachten den Schaden von rund 1,6 Millionen Dollar [2].


Das Geld wurde auf 32 verschiedene Bankkonten in 25 Ländern überwiesen und anschließend sofort auf weitere Konten weitergeleitet, um es dem Zugriff der Strafverfolgungsbehörden zu entziehen [2].


Ermittlungen von FBI und Secret Service


Die Konferenz arbeitet nach eigenen Angaben eng mit dem Federal Bureau of Investigation (FBI), dem Secret Service, dem Versicherer sowie speziell beauftragten Anwälten mit Erfahrung in schweren Cyberverbrechen zusammen [1]. „Diese Untersuchung ist aktiv und läuft weiter", schrieb Bischof Bickerton in einem Brief an die Konferenz vom 13. August [1].


Zum Zeitpunkt dieses Schreibens waren rund 200.000 Dollar im Zuge der Ermittlungen zurückgeholt worden [1]. Die Konferenz hat zudem eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit der Überwachung aller Auszahlungen und der Neugestaltung der internen Kontrollen beauftragt sowie eine forensische IT-Ermittlungsfirma engagiert, die die Aktivitäten der Täter untersucht [2].


Der erste Bericht der IT-Firma bestätigte, dass keine persönlichen Daten aus der Konferenzdatenbank abgegriffen wurden [2]. Bickerton betonte zugleich, die Täter seien „hochprofessionell und ausgefeilt" vorgegangen – Schulungen in Cybersicherheit seien daher in der gesamten Kirchengemeinschaft unerlässlich [2].


Finanzielle Folgen für die Konferenz


Der Verlust trifft die New England Conference in einer Phase, in der sie ihre Finanzen konsolidieren wollte. Erst im Juni hatten die Delegierten der Jahreskonferenz einen Haushalt von 6,8 Millionen Dollar für 2027 verabschiedet – ein Anstieg von 3,7 Prozent gegenüber 2026 [2].


Bischof Bickerton rief die Gemeindeglieder auf, ihre Spenden zu erhöhen, um den finanziellen Verlust abzufedern, und an Schulungen zur Cyberkriminalität teilzunehmen [2]. In einem weiteren Schreiben vom 25. August berichtete er, dass drei weitere Unternehmen in derselben Woche Opfer einer ähnlichen Straftat geworden seien [1] [2].


„Die Ereignisse der vergangenen Woche sind ein verheerender Schlag, der das Finanzteam und das gesamte Konferenzpersonal bis ins Mark erschüttert hat", schrieb der Bischof. „Dennoch bleiben wir dem schwierigen Weg, der vor uns liegt, verpflichtet" [1].


Einordnung: Kirchen als Ziel von Betrug


Der Fall reiht sich in ein wachsendes Problem ein: Kirchliche Organisationen gelten wegen ihrer oft dezentralen Finanzstrukturen und begrenzten IT-Ressourcen als attraktive Ziele für Betrug. Eine Studie des Gordon-Conwell Theological Seminary aus dem Jahr 2020 schätzte, dass weltweit bis zu 52,6 Milliarden Dollar – rund 6,5 Prozent aller Spenden von Christen in jenem Jahr – durch Betrug und Veruntreuung verloren gingen [1].


Der Fall der New England Conference zeigt, wie professionell solche Angriffe inzwischen ablaufen: Die Täter kannten offenbar die Überweisungslimits des Kontos und blieben bewusst unter der Schwelle, die zusätzliche Kontrollen ausgelöst hätte. Dass die Gelder über 25 Länder verteilt und sofort weitergeleitet wurden, erschwert die Rückverfolgung erheblich.


Ob und in welchem Umfang die Versicherung der Konferenz den Schaden deckt, ist bislang nicht bekannt. Die Ermittlungen von FBI und Secret Service dauern an.