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#derimeter: Berliner Senat richtet Steuerungseinheit für Cyberangriff ein

#derimeter: Berliner Senat richtet Steuerungseinheit für Cyberangriff ein

Berliner Repräsentantenhauses: Nach dem Hackerangriff auf das Berliner Landesnetz koordiniert eine neue Steuerungseinheit die Aufarbeitung (Foto: dpa)

Nach dem Hackerangriff auf das Berliner Landesnetz bündelt der Senat die Aufarbeitung in einer neuen Steuerungseinheit. Die von Digitalstaatssekretär Florian Hauer geleitete Stelle soll die Sichtung der gestohlenen Daten koordinieren und Betroffene informieren – während das Ausmaß des Datenlecks weiter unklar bleibt.

Zur Bewältigung des Hackerangriffs auf Teile der Berliner Verwaltung hat die Senatskanzlei eine zusätzliche Steuerungseinheit eingerichtet. Die Leitung übernimmt der Staatssekretär für Digitalisierung, Florian Hauer. Die Stelle soll die Sichtung und Bewertung der gestohlenen Daten koordinieren und die beiden betroffenen Senatsverwaltungen dabei unterstützen, betroffene Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen zu informieren und zu beraten [1].


Was die Steuerungseinheit leistet


An der neuen Einheit sind nach Angaben der Senatskanzlei neben dem Berliner Landeskriminalamt auch die betroffenen Senatsverwaltungen, die Landesdatenschutzbehörde, der Landesbevollmächtigte für Informationssicherheit sowie weitere Sicherheitsstellen beteiligt [1]. Auf Bundesebene sind zudem das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), das Bundeskriminalamt (BKA) und das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) in die Aufarbeitung eingebunden; im Gemeinsamen Cyberabwehrzentrum werden die Erkenntnisse zusammengeführt [2].


Die zentrale Aufgabe der Einheit ist die Auswertung der von den Tätern veröffentlichten Dateien. Betroffene Beschäftigte, Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen sollen risikobasiert per Brief oder E-Mail kontaktiert und beraten werden [1] [2]. Senatssprecherin Christine Richter sagte, Betroffene würden üblicherweise per Brief oder Mail kontaktiert – bei Beschäftigten auch Personen, die in deren Unterlagen genannt würden [1].


Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) kündigte an: „Wir werden die betroffenen Beschäftigten, Berlinerinnen und Berliner so schnell wie möglich informieren, beraten und unterstützen“ [1]. Man stehe im engen Austausch mit den Sicherheitsbehörden des Bundes.


Stand der Bewältigung


Der Angriff war am 14. August bekanntgeworden. Betroffen waren die Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, die vorübergehend vom Landesnetz getrennt wurden [2]. Die Hackergruppe Rhysida hatte sich nach Erkenntnissen der Behörden zwischen dem 7. und 12. August unbemerkt Zugang verschafft und Daten abgeschöpft [2].


Nachdem der Senat die Lösegeldforderung von 30 Bitcoin – umgerechnet rund zwei Millionen Euro – abgelehnt hatte, veröffentlichten die Täter am 4. September rund 1,44 Millionen Dateien mit einem Umfang von 5,8 Terabyte im Darknet [1] [2]. Darunter befinden sich nach Medienberichten neben personenbezogenen Unterlagen wie Arbeitszeugnissen, Beurteilungen und Ausschreibungen auch Daten mit Bezug zur kritischen Infrastruktur [3].


Die forensischen Untersuchungen und Ermittlungen dauern an. Konkrete Angaben dazu, welche Daten genau veröffentlicht wurden, machte die Senatskanzlei bislang nicht [1]. Digitalstaatssekretär Hauer zufolge gestaltet sich das Herunterladen und die Analyse der Dateien aus dem Darknet als sehr zeitaufwendig [4]. Daten zur militärischen Verteidigung des Landes seien offenbar nicht gestohlen worden, da diese den betroffenen Senatsverwaltungen gar nicht vorlägen; nicht auszuschließen seien jedoch Daten mit Bezug zur kritischen Infrastruktur, etwa Notfallpläne [4].


Nach aktuellem Stand gibt es keine Hinweise darauf, dass das Landesnetz noch infiltriert ist [4] [5]. Der nach Bekanntwerden des Angriffs eingesetzte Krisenstab arbeite aber weiter [5].


Maßnahmen der Landesregierung


Neben der Steuerungseinheit plant der Senat eine Anlaufstelle für möglicherweise betroffene Bürger und Unternehmen. Geplant ist zunächst ein zentraler E-Mail-Kontakt, denkbar sei auch eine Telefon-Hotline; eine externe Rechtsanwaltskanzlei und die Datenschutzbeauftragte des Landes sollen beratend unterstützen [4]. Das Angebot soll „schnellstmöglich“ starten [4].


Zugleich will die Landesregierung die IT-Sicherheit grundlegend verstärken. Wegner kündigte an, alle personellen und finanziellen Ressourcen bereitzustellen, um das Landesnetz zu härten [5]. Ein Ziel sei eine stärkere Zentralisierung der IT der Berliner Verwaltung [5]. „Wir leben in einer anderen Bedrohungslage als vielleicht noch vor drei, vier oder fünf Jahren“, sagte der Regierende Bürgermeister [5].


Ein Streitpunkt wurde derweil beigelegt: Auch der Bezirk Lichtenberg lässt das vom Senat engagierte US-Unternehmen Crowdstrike nun auf seine Server, um die Sicherheit des gesamten Landesnetzes zu überprüfen [4]. Zuvor hatte der Bezirk den Zugriff verweigert.


Kritik und offene Fragen


Die Opposition und IT-Experten werfen dem Senat zögerliches Handeln vor. Der IT-Experte Manuel Atug, der nach eigenen Angaben 2023 und 2025 als Sachverständiger im Berliner Innenausschuss auf Sicherheitslücken hingewiesen hatte, sprach von „grob fahrlässigem“ Verhalten des Landes [1] [2]. Senatssprecherin Richter entgegnete, die Sicherheitsmaßnahmen seien nach dem Hackerangriff erhöht worden; welche strukturellen Konsequenzen erforderlich seien, werde sich nach der Bewältigung der aktuellen Lage zeigen [1].


Der Chaos Computer Club hält einen schnellen Überblick über die geleakten Daten für unrealistisch. „Abschätzen zu können, was im Detail abgeflossen ist, das kann sehr lange dauern, mindestens noch viele Wochen“, sagte CCC-Sprecher Joachim Selzer [4]. Er forderte „maximale Transparenz“ bei der Aufarbeitung [4].


Für die am 20. September anstehende Wahl zum Abgeordnetenhaus sieht die Landesregierung keine Gefahr: Die Wahlumgebung sei nach derzeitigem Stand nicht betroffen, sagte Landeswahlleiter Stephan Bröchler [2]. Die Bundeswehr kündigte an, nach der Analyse möglicher Sicherheitsrisiken Maßnahmen zum Schutz der militärischen Sicherheit einzuleiten [2].